Inselgeschichten

Das Deutsche Historische Museum hat zur Blogparade aufgerufen: „Europa und das Meer – was bedeutet mir das Meer?“

Jeden Sommer aufs Neue zieht es uns ans Meer, an die Nordsee, nach Vlieland.

Vlieland? Ja, wo ist das denn?

Zwischen Texel und Terschelling gelegen, ist Vlieland eine der Westfriesischen Inseln und gehört zu den Niederlanden. Vlieland ist nicht groß, die Insel hat eine Breite von nur etwa 2,5 Kilometer und eine Länge von rund 20 Kilometern, wobei die Hälfte der Vliehors, eine riesige Sandfläche, ist, der liebevoll auch „Sahara des Nordens“ genannt wird.
Auf der Insel gibt es nur ein Dorf, Oost-Vlieland, auch die Gesamtbevölkerung mit 1.145 Leuten ist recht übersichtlich. Auf Vlieland sind keine Autos außer denen der eigentlichen Bewohner erlaubt.

Und was machen wir da?

Entdeckt hat dieses Kleinod in der Nordsee der Schwiegervater, als er mit einem Schulausflug da war. Ja, das ist schon etwas her, aber die Liebe zur Insel zieht sich durch die Familie. Der Mann hat in Kindheitstagen jedes Jahr die gesamtenSommerferien dort verbracht, hat mich angesteckt und nun ist es auch für uns schon lieb gewordener Traditionsurlaub geworden. Es gibt nichts Schöneres, als vom Schiff zu steigen und sich gleich wieder zu Hause zu fühlen!
Um den Flair des Abenteuers etwas zu bewahren, kommen wir nicht im Hotel unter oder in der Ferienwohnung. Nein, auf Vlieland gibt es einen Campingplatz, mitten in den Dünen! Gut, etwas Luxus gönnen wir uns schon, indem wir nicht mit eigenem Zelt anreisen, sondern auf eines der voraufgebauten und komplett ausgestatteten Mietzelte zurückgreifen.

Und sonst?

Vlieland ist etwas ganz besonderes. Es ist zwar nur klein, bietet aber eine ganz eigene landschaftliche Vielfalt. Neben „Wüste“, Dünen, Meer und Watt, gibt es auch erstaunlich viele Bäume, ja richtige Waldgebiete auf dem kleinen Inselchen und wenn die Sonne scheint, so fühlt man sich fast an Italien erinnert!
Es gibt zwar eine Buslinie an der Küstenstraße – aber wozu, wenn man auch alles bequem per Rad erledigen kann? Auf Muschelkalkwegen erstreckt sich ein kilometerlanges Netz von Radwegen über die Insel von der nordöstlichen Spitze bis herunter zum Posthuis. Danach kommt nur noch Sand, der zu großen Teilen militärisches Sperrgebiet ist. Will man doch einmal einen Ausflug dorthin unternehmen, so ist der „Vliehors-Express“ die beste Wahl. Am Strand geht es mit zwei großen Gefährten hinunter bis an die südwestliche Inselspitze, von wo aus man direkt nach Texel hinüberschauen kann. Abends findet so ein Ausflug sein Ende im kleinen Rettungshäuschen – mit Kakao, Lagerfeuer und Musik. Kitschiger kann es fast schon nicht werden…

Was noch?

Die Leuchtturm-Düne von Vlieland ist mit 42 Metern die höchste Erhebung der gesamten Provinz Friesland! Da sage noch einmal jemand, das Land an der Küste ist flach 😉
Wie unterschiedlich das Meer sein kann, sieht man auf beiden Seiten der Insel. Einmal das Watt zur Küste hin, einmal die offene See. Wattwanderungen und mit den Stiefeln im Schlamm versinken, Wattwürmer graben zum Angeln, Muschelsammeln, Strandspaziergänge oder einfach ganz romantisch in den Dünen sitzen und dem Sonnenuntergang zusehen. Seenebel, der über die Dünen steigt! Und immer das Rauschen der Wellen als ständiger Begleiter. Zum Glück sind es nur noch gut 4 Wochen, bis wir wieder da sind – beim Schreiben dieses Beitrages packt mich die Sehnsucht doch gerade ganz gewaltig…

Und die Kultur?

Ja, wer mich als Museumsmenschen kennt, der weiß, dass ich auch in der Ferne natürlich Kultur brauche – und auch wenn nur klein, so hat das Dorf Oost-Vlieland doch immerhin gleich zwei Museen!
Im Tromp’s Huys – dem ältesten Haus auf Vlieland – befindet sich ein Museum. Ehemals war das Haus ein Admiralskontor, viel der ursprünglichen Einrichtung ist noch vorhanden, außerdem wird die Geschichte der Insel thematisiert.
De Noordwester ist ein naturkundliches Museum mit einem angeschlossenen Aquarium – hier wird die Wattenlandschaft und ebenfalls die Geschichte der Insel behandelt.

Ein berühmter Sohn der Insel ist der Entdecker Willem de Vlamingh, der Ende des 17. Jahrhunderts bis nach Südwest-Australien gefahren ist. Seine Statue steht direkt am Hafen von Oost-Vlieland und begrüßt alle Ankömmlinge.
Achso – wenn es schon Oost-Vlieland heißt – wo ist dann West-Vlieland? In der Tat gab es einmal ein zweites Dorf, dass allerdings seit 1736 in den Fluten versunken ist…
Viele Geschichten gibt es auf der Insel zu entdecken und selbst nach so vielen Besuchen und trotz, dass man meint, schon alles gesehen zu haben – es gibt immer wieder etwas Neues zu finden!

Und jetzt?

Ja, ich könnte noch viel mehr weiterschwärmen. Tu ich aber nicht 😉 Vielleicht habt ihr auch einmal Lust bekommen, dieser kleinen Insel einen Besuch abzustatten? Aber nicht alle auf einmal!

Alle in dieser Blogparade erschienenen Beiträge findet man unter #dhmmeer oder auf der Seite des DHM!

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3 Kommentare

  1. Wie schön, dass wir dich endlich wieder zum Bloggen brachten. Die Insel macht neugierig nach deiner Beschreibung. Entspannung und Seele baumeln lassen ist hier wohl definitiv garantiert. Finde es immer wieder spannend, wie sich Tradition in Familien fortsetzt.

    Danke dir herzlichst!

    Sonnige Grüße
    Tanja

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