„Wehe, George…!“

„….wehe, Du verabschiedest Dich aus dieser Welt, bevor Du Deine Bücher zu Ende geschrieben hast. Das habe ich schon zweimal durch und brauche es kein drittes Mal!“

Dieser Ausruf gilt natürlich George R. R. Martin, seines Zeichens Autor der großartigen Reihe „A Song of Ice and Fire“, in der bisher 5 Bände erschienen sind. Ein sechster steht kurz vor dem Erscheinen, ein siebter soll die Reihe abschließen.

Ursprünglich war die Serie auf drei Bände ausgelegt, allerdings hat sie inzwischen solche Dimensionen angenommen, daß Martin zwischenzeitlich umplanen musste. Eine Geschichte geht oftmals ihren eigenen Weg. Für die letzten beiden Bücher sind 1.500 Seiten Manuskript vorgesehen. So manch ein Fan zweifelt, ob er es in zwei Bänden schafft.

Wir werden sehen. Hoffentlich. Denn Martin geht mit großen Schritten auf seinen 68. Geburtstag zu und es wäre nicht das erste Mal, daß ein Autor vor Beendigung seines Lebenswerkes verstirbt.

Da wäre zum Beispiel

Robert Jordan

Robert Jordan ist Autor der nicht minder umfangreichen Buchreihe „Das Rad der Zeit“ / „The Wheel of Time“, die aus 14 Bänden (zwischen 600 bis 1000 Seiten stark) und einem Prequel besteht. Die ersten 11 Bände hat er selbst veröffentlicht, im April 2006 wurde bei ihm eine äußert seltene und schnell tödliche Blutkrankheit festgestellt. Es war also für ihn abzusehen, daß er es nicht schaffen würde, die Reihe zu beenden.

In Vorbereitung dessen arbeitete er vor, schrieb Texte für das Ende der Reihe und setzte seine Familie, insbesondere seine Frau über den genauen Geschichtsplot in Kenntnis.

Robert Jordan starb im September 2007. Nach seinem Tod erwählte seine Witwe Harriet McDougal den Schriftsteller Brandon Sanderson, die Reihe zu Ende zu führen. Im Jahr 2013 erschien der letzte und abschließende Band.

 

Ein andere Fall ist

Harald Evers

Harald Evers ist Autor der deutschsprachigen „Höhlenwelt-Saga“, die auf 3 Zyklen mit je 4 Bänden ausgelegt war. 8 Bücher erschienen in den Jahren 2001 bis 2005, im November 2006 verstarb Evers überraschend im Alter von nur 49 Jahren an einem Herzinfarkt.

Aufgrund von Erb- und Familienstreitigkeiten nach seinem Tod ist von seinem Werk und seiner Plotplanung nichts übrig geblieben.

Die Höhlenwelt-Saga wird für immer unvollendet bleiben.

 

Deswegen: „Wehe, George!“

 

Für alle, die noch nicht genug gelesen haben, folgt hier eine Aufstellung und kurze Inhaltsangabe der drei Buchreihen.

„A Song of Ice and Fire“

Die Reihe wird – voraussichtlich – aus folgenden Büchern bestehen:

  1. „A Game of Thrones“ (1996)
  2. „A Clash of Kings“ (1999)
  3. „A Storm of Swords“ (2000)
  4. „A Feast for Crows“ (2005)
  5. „A Dance of Dragons“ (2011)
  6. „The Winds of Winter“
  7. „A Dream of Spring“

Worum geht’s?

Der Kontinent Westeros besteht aus sieben Königreichen, die Jahrhunderte unter der Herrschaft der Familie Targaryen standen, die nach Aufstand und Bürgerkrieg 15 Jahre vor Beginn der Romanhandlung aber von Robert Baratheon abgesetzt wurden. Die Romane beschreiben die Wirren im Kampf um die Nachfolge Baratheons, der in der Mitte des ersten Bandes stirbt. Verschiedene Adelshäuser ringen um die Macht in Westeros, während im Osten, auf dem Kontinent Essos, sich die letzte Targaryen auf den Weg macht, das Reich ihrer Vorfahren zurückzuerobern.
Im Norden von Westeros, der von einer gigantischen Eismauer begrenzt wird, regt sich derweil noch eine ganz andere Bedrohung.

Und warum sollst Du es lesen?

George Martin hat einen gigantischen, wuchtigen Schreibstil. Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer Person erzählt. Durch diesen Wechsel bieten sich überraschende Perspektiven und man lernt, auch vermeintliche Schurken zu verstehen. Desweiteren hat Martin keinerlei Hemmungen, seine Hauptpersonen gnadenlos umzubringen. Erschütternd.

Wer nicht lesen will – HBO hat’s verfilmt, die Serie ist inzwischen auch auf DVD/Blu ray zu haben.

Was bedeuten die Bücher mir?

Herzrasen. Warten.
Ersteres aus Spannung, zweiteres auf die Fortsetzung. Ich bin seit Erscheinen des zweiten Bandes dabei und geiere seitdem auf die Fortsetzung. Und spätestens nach dem Tod oben angesprochener Hauptfigur hatten mich die Bücher gepackt. reaktion: „Das kann nicht sein. Das ist jetzt nicht sein Ernst. Er kann den doch nicht einfach…? Der muß doch wiederkommen! Das ist doch ein Trick!“ Hektisches Geblätter.
Nein, war es nicht. Seufz.
Danach fragt man sich nur noch, wer als nächstes dran ist.

 

„The Wheel of Time“

Die Reihe besteht aus folgenden Bänden:

  1. „The Eye of the World“ (1990)
  2. „The Great Hunt“ (1990)
  3. „The Dragon Reborn“ (1991)
  4. „The Shadow Rising“ (1992)
  5. „The Fires of Heaven“ (1993)
  6. „Lord of Chaos“ (1994)
  7. „A Crown of Swords“ (1996)
  8. „The Path of Daggers“ (1998)
  9. „Winter’s Heart“ (2000)
  10. „Crossroads of Twilight“ (2003)
  11. „Knife of Dreams“ (2005)
  12. „The Gathering Storm“ (2009)
  13. „Towers of Midnight“ (2010)
  14. „A Memory of Light“ (2013)

Worum geht’s?

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse.
Gut, ein bisschen mehr ist es schon. Zu Beginn der Zeit hat der Schöpfer die Welt geschaffen und seinen Widersacher in Shayol Ghul eingeschlossen. Im Rad der Zeit folgt ein Zeitalter auf das nächste und immer versucht sich der Widersacher zu befreien. Dabei findet er Hilfe in den Anhängern der Schatten. Die Anhänger des Lichts versuchen sie zu bekämpfen.
Mit Beginn der Romane hat es der Widersacher fast geschafft, sein Gefängnis droht aufzubrechen und nur einer kann ihm in der letzten Schlacht gegenübertreten – der Wiedergeborene Drache, der von seinem Schicksal noch nichts ahnt, sondern als Bauernjunge in der Provinz aufwächst. Sein Weg und der seiner Gefährten wird lang und gefährlich.

Und warum sollst Du es lesen?

Insgesamt über 12.000 Seiten in einer detailliert ausgearbeiteten Welt mit Helden und Schurken, mit Gut und Böse und vor allem – mit einem Ende!

Was bedeuten die Bücher mir?

Die Bücher sind einer der Gründe, warum ich inzwischen ausschließlich im Original lese. Die deutsche Übersetzung hat nämlich die dicken Bände in teilweise bis zu vier Bücher aufgesplittet. Ich habe im Jahr 1994 oder 95 mit Lesen begonnen und es irgendwann nicht mehr eingesehen, soviel Geld auszugeben. Und dank Jana (MyDenglishPOV) hatte ich sogar schon zwei der Original-Bücher – sie hatte sie mir aus den USA mitgebracht, als es sie hier in Deutschland noch nicht gab – meine ewige Dankbarkeit 😉
Fast zwanzig Jahre meines Leserlebens hat mich diese Reihe begleitet. Am Ende ist ein ganzer See von Tränen geflossen.

 

Die Höhlenwelt-Saga

Die Reihe besteht aus diesen Büchern:

  1. Die Bruderschaft von Yoor (2001)
  2. Leandras Schwur (2001)
  3. Der dunkle Pakt (2001)
  4. Das magische Siegel (2002)
  5. Die Schwestern des Windes (2003)
  6. Die Mauer des Schweigens (2004)
  7. Die Monde von Jonissar (2004)
  8. Die Magie der Höhlenwelt (2005)

Worum geht’s?
Die Höhlenwelt liegt unter der Oberfläche eines kleinen Planeten, der eine unscheinbare gelbe Sonne umkreist. Unter seiner Kruste liegen riesige Kavernen, unterbrochen von mächtigen Stützpfeilern, die bis zum Felsenhimmel heraufreichen. Im Felsenhimmel finden sich kristalline Einschlüsse, die Sonnenfenster, durch die Sonnen-, Mond- und Sternenlicht die Höhlenwelt erreicht.
Die Höhlenwelt wird von einem Menschenvolk bewohnt, das Magie beherrscht. Neben den Menschen gibt es unterschiedliche Drachenarten, die in der Luft – hoch an den Stützpfeilern – oder tief im Meer leben.
Die Magie scheint außerhalb der Höhlenwelt unbekannt zu sein. Zumindest versuchen die Drakken, eine Echsenspezies, während der Besetzung der Höhlenwelt hinter ihr Geheimnis zu kommen…

Und warum sollst Du es lesen?

Der Entwurf einer ungewöhnlichen Welt, eine liebenswerte Protagonistin und Drachen! Dazu ein höchst ungewöhnlicher Mix aus Fantasy und Science Fiction, Raumfische (sic!) und Fantasy-Literatur aus deutschen Landen. Das muß honoriert werden. Leider wird die Saga unvollendet bleiben.

Was bedeuten die Bücher mir?

Ich bin durch das Cover auf die Bücher aufmerksam geworden. Die ersten 4 Bände tragen in der Originalausgabe nämlich Bilder von H.W. Sahm, die auch als Inspiration für die Höhlenwelt dienten. Mein Vater ist ein großer Fan von Sahm, die Bilder hingen bei uns daheim.
Auch die Geschichte hat mich gefesselt, sie ist unterhaltsam und spannend geschrieben und mir gefällt vor allem der Mix aus Fantasy und Science Fiction – wann gerät schon mal eine quasi-mittelalterliche, magiebegabte Heldin in den Weltraum und muß sich mit einem galaktischen Imperium auseinandersetzen?
Zur Höhlenwelt-Saga gab es ein sehr aktives Forum im Internet, wo auch Harald Evers sich äußerte. Durch das Forum bin ich mit ihm in Kontakt gekommen und hatte auch die Ehre, ihn persönlich kennenzulernen. Sein plötzlicher Tod hat uns Fans alle sehr mitgenommen.
Wer mehr wissen will über die Bücher, dem sei meine (uralte) Internetseite Caveworld anempfohlen. Dort ist alles an Informationen zusammengetragen.

 

Hui, viel Text zu drei großartigen Romanreihen. Habt ihr eine davon gelesen? Was verbindet ihr damit? Habt ihr vielleicht Lesetips, die in eine ähnliche Richtung gehen? Wie immer freue ich mich über eure Kommentare und Rückmeldungen!

 

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„Es war Mitternacht…“

„…und in den Wipfeln der uralten riesigen Bäume brauste der Sturmwind.“

Na, wer hat’s erkannt, aus welchem Buch das ist? Es ist eine meiner ersten ganz bewussten „Buch-Erinnerungen“. In der ersten Klasse, des Schreibens gerade mächtig, sollten wir eine Schulheftseite aus einem Buch abschreiben. Meine Wahl fiel auf „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, das mir meine Mutter zu der Zeit damals wohl vorgelesen hat.

Lesen und Bücher spielten in meiner Familie schon immer eine große Rolle. Das Wohnzimmer meiner Eltern gleicht einer Bibliothek. Ich habe die Bücher mal gezählt, als ich klein war, mir schwebt eine Zahl von 5.000 im Kopf herum. Ob’s richtig ist? Kann schon sein, es sind auf jeden Fall VIELE!

Wo andere Familien sich abends um den Fernseher versammeln, hat man uns jeder hinter einem Buch vergraben gefunden. Meine Eltern haben mir schon immer viel vorgelesen, als ich klein war. Und wenn die Mutter einmal die Woche früher abends zum Sport ging und der Vater fürs abendliche Vorlesen zuständig war, hat er ab und an das große alte Märchenbuch aus dem Schrank geholt, aus dem ihm schon sein Vater früher vorgelesen hatte. Ein dicker, uralter Wälzer, der schon halb auseinanderfällt. „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, „Die weiße Schlange“ oder immer noch mein Favorit „Kohle, Bohne und Strohhalm“.

Mit meiner Mutter zusammen war es dann „Die unendliche Geschichte“, „Momo“, „Das kleine Gespenst“, „Der kleine Wassermann“ und „Die kleine Hexe“, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

So geprägt konnte ich mich ja nur zu einer Leseratte und einem Bücherwurm entwickeln. Mein eigener Bücherschrank (eher „Schränke“) ist inzwischen auch wohl gefüllt, aber dank der zunehmenden Digitalisierung nimmt ein Buch heute ja nicht mehr allzu viel Platz weg, kindle sei Dank!

Andererseits…das Rascheln der Buchseiten…vorblättern, zurückblättern…Papier zwischen den Fingern und der Duft, wenn man eine Buchhandlung betritt, das fällt bei so etwas natürlich leider weg, aber Opfer müssen gebracht werden, zugunsten des Platzes.

Ich bin im übrigen auch ein großer Fan von Hörbüchern. Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause, da kann man die Zeit in der Tram und die man zu Fuß unterwegs ist auch gut nutzen. Man nimmt Bücher übers Hören noch einmal ganz anders wahr, als wenn man sie liest und ich bin eh jemand, der bestimmte Bücher immer wieder liest – das ist wie alte Freunde besuchen. Im Gegensatz dazu mein Vater, der glaub ich kein Buch zweimal gelesen hat. Etwas, daß ich nie könnte.

Eigentlich hatte ich vor, in diesem Beitrag ein paar meiner Buchfavoriten vorzustellen, aber ich glaube, das würde den Rahmen sprengen, deswegen beschließe ich jetzt spontan, aus den „Buchfavoriten“ eine kleine Reihe zu machen und jedem Buch einen eigenen Beitrag zu widmen.

Was wird euch erwarten?

  • David Eddings mit der „Belgariad“-, „Malloreon“-, „Elenium“- und „Tamuli“-Reihe
  • Robert Jordan „Das Rad der Zeit“
  • natürlich George R.R. Martin „A Song of Ice and Fire“
  • Tamora Pierce mit „Alanna“, „Dhaine“ und „Keladry“
  • Harald Evers „Die Höhlenwelt-Saga“
  • Jacqueline Carey mit den „Kushiel“- und „Naamah“-Büchern
  • Lindsey Davis und Marcus Didius Falco
  • Melanie Rawn mit „Dragon Prince“ und „Dragon Star“
  • Jim Butcher und „Harry Dresden“
  • Kevin Hearne, die „Iron Druid Chronicles“
  • und mit Sicherheit viele weitere, wenn ich mein Bücherregal mal wieder durchstöbere

Ihr könnt gespannt sein!

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr auch buch-affin oder lest ihr gar nicht? Bevorzug ihr „Papier“-Bücher oder doch das digitale Lesegerät? Habt ihr vielleicht auch Lesetips auf Lager? Ich freu mich auf eure Rückmeldung!

#egyptathome

Bloggen ist toll! Es bündelt die Gedanken, es macht kreativ und irgendwie auch süchtig 🙂

Da hab ich doch gestern erst über „Kultur und Social Media“ geschrieben und verschiedene Kulturprojekte vorgestellt und kurz danach, ja, da kam sie endlich, die Erleuchtung, auf die ich schon so lange gewartet hatte!

Seit dem Einstieg unseres Museums in die Social Media will ich ja auch immer Mal eine Aktion mit Hashtag machen, hab schon immer ganz neidisch auf #myrembrandt geschielt – ein gigantisches Projekt! Aber, mir fehlte die Inspiration!

Wir haben keine neue Ausstellung oder besondere Aktion momentan, an die man so etwas anhängen kann. Es muß also etwas Allgemeines sein.

Dann lies ich gestern Nachmittag meinen Blick durch die Wohnung schweifen und dachte, es gibt so viel Ägyptenklüngelkram. Irgendwie hat doch sicher jeder irgendwas quasi-altägyptisches daheim herumfliegen. Statuetten, Spielzeug, Lesezeichen, Filme, Bücher, Spiele? Es gibt so viel heutzutage, was von Ägypten inspiriert ist. Daraus entstand dann kurzentschlossen:

#egyptathome – Ägypten zuhause.

Angeschubst und verteilt ist die Aktion, jetzt muß sie nur noch in die Gänge kommen.

Und jetzt seid ihr gefragt! Wühlt doch mal zuhause, findet ihr was ägyptisches? Dann her damit! Auf Facebook, Twitter, Google+, Instagram, wir nehmen alles!

Und wenn nichts Altägyptisches da ist – vielleicht mal selber „Gehn wie ein Ägypter“??? Das Ägypterselfie? Lasst euch etwas einfallen und seid kreativ!

Anbei nur ein kleiner Teil von meinem #egyptathome: Agatha Christie, Catan, Playmobil und Asterix….mehr folgt 🙂

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Kultur und Social Media

Die Social Media fasst so langsam Fuß im Kulturbereich. Anbei ein paar aktuelle Projekte, die ich euch kurz vorstellen möchte:

„Kultur ist für mich…“

Tanja Praske ruft in ihrem Blog „Kultur-Museo-Talk“ zur Blogparade auf: „Kultur ist für mich… – Aufruf zu #KultDef“. Jeder ist nach seiner eigenen Definition zum Kulturbegriff gefragt. Die Antworten sind vielfältig – 49 Blogger haben bereits mitgemacht und #KultDef war auch einer der Anlässe, meinen Blog einzurichten.

Wenn ihr euch also zum Kulturbegriff äußern wollt – kurz oder lang, als Text, Bild, Film, Ton – noch bis zum 30. Juni habt ihr die Chance mitzumachen!

Meinen Beitrag findet ihr hier.

 

#plantsforblossfeldt

Anlässlich ihrer Ausstellung „Karl Blossfeldt. Aus der Werkstatt der Natur“ in der Pinakothek der Moderne rufen die @pinakotheken dazu auf, sich digital an der Ausstellung zu beteiligen.

Unter dem Hashtag #plantsforblossfeldt darf jeder Aufnahmen von Pflanzen auf twitter oder instagram hochladen, um Teil der virtuellen Pflanzenausstellung zu werden.

Eine tolle Aktion, ich habe auch schon ganz viele Pflanzen fotografiert – man geht mit einem ganz anderen Blick durch die Stadt 🙂

#plantsforblossfeldt am Wegesrand

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„Geniale Dilletanten“

Ganz frisch noch ist die Aktion „Geniale Dilletanten“ vom Haus der Kunst. Das HdK ist auf der Suche nach Bildern aus den 1980ern, die unter dem Hashtag #HDKdilletanten auf twitter und instagram eingestellt werden können.

Eine Aktion für die etwas ältere Generation – ich muß auch mal in meinen Fotokisten kramen gehen und gucken, was meine Jahre zwischen 4 und 14 so an Dilletantismus bieten. Ich bin gespannt, wie sich diese Aktion entwickelt.

 

#MewseumMonday

Ergänzend zum #MuseumMonday gibt es jeden Montag #catcontent. Mehr muß man dazu eigentlich nicht mehr sagen, oder? 😉

 

Wie schauts bei euch aus? Macht ihr bei solchen Aktionen mit?
Habt ihr vielleicht Ideen für eine twitter/instagram-Aktion des Ägyptischen Museums?
Ich freu mich auf eure Rückmeldungen!

Brot und Bier

Brot und Bier waren die Grundnahrungsmittel im alten Ägypten.

Ans Bier selber machen hab ich mich noch nicht getraut – wenn euch das interessiert, dann solltet ihr mal bei ancient (t)ales vorbeischauen – aber das Brotbacken gehört zu meinen Hobbies.

Habt ihr euch mal die Zutatenliste eines Industriebrotes durchgelesen? Was da alles drin ist, da fragt man sich echt manchmal….

Bildschirmfoto 2015-06-22 um 12.56.43Für ein gutes Brot braucht es nur Mehl und Wasser, vielleicht noch Salz, aber das auch nur für den Geschmack. Mehr nicht.

Ich habe mir vor einigen Jahren selbst Sauerteig angesetzt, der seitdem gehegt und gepflegt wird.  Die Herstellung ist denkbar einfach. Nehmt eine große Schüssel aus Plastik oder Glas (kein Metall) und zum Umrühren einen Holzlöffel.

  • 100 g Mehl (Roggen oder Weizen, vorzugsweise mit hoher Typenzahl) und 100 ml Wasser lauwarmes Wasser zusammenmischen, abdecken und bei Zimmertemperatur für 12 Stunden stehen lassen.
  • Den Teig durchrühren und weitere 12 Stunden abgedeckt stehen lassen.
  • 50 g Mehl und 50 ml Wasser zum Teig geben, gut unterrühren, abdecken, 24 Stunden stehen lassen.

Der Teig fängt jetzt langsam an zu säuern. Er riecht leicht nach Essig und wirft Blasen.

  • Nach der Ruhezeit wieder 100 g Mehl und 100 ml Wasser hinzufügen, unterrühren, abdecken, 12 Stunden stehen lassen, umrühren, wieder 12 Stunden stehen lassen.
  • Ein letztes Mal 100 g Mehl und 100 ml Wasser zugeben, rühren, 24 Stunden stehen lassen.

Danach ist euer Sauerteig fertig und kann verbacken werden. Er kann problemlos in einem gut schließenden Gefäß im Kühlschrank aufbewahrt werden, sollte dann aber ab und an mit 1 EL Mehl und 1 EL Wasser gefüttert werden.

Zum Backen entnimmt man immer einen Teil des Sauerteigs, füttert ihn an, der Rest bleibt im Kühlschrank.

Folgendermaßen funktioniert das Anfüttern:

  • 100 g Mehl und 100 g Wasser verrühren, dazu 100 g des Sauerteigs im Kühlschrank geben. Gut verrühren, Schüssel abdecken und 6 Stunden stehen lassen.
  • Weitere 100 g Mehl und 75 ml Wasser hinzugeben, umrühren, abdecken, nochmals 6 Stunden stehen lassen.
  • 100 g Wasser und 100 g Mehl hinzugeben, rühren, abdecken und nochmals 12 Stunden stehen lassen, dann kann der Teig verbacken werden.

10377348_822519997815254_5463202308819783166_nKlingt kompliziert? Ist es aber gar nicht – es braucht allerdings Geduld und etwas Vorbereitungszeit, aber ansonsten ist der Teig sehr pflegeleicht. Und wenn man ihn mal nach 5 oder 8 Stunden durchrührt, nimmt er es einem auch nicht übel. Mein Sauerteigansatz hat auch schon mehrere Wochen ohne Futter im Kühlschrank verbracht und lies sich reaktivieren. Wenn etwas vom Sauerteig übrig bleibt, kann man das auch mit dem Ansatz vermischen, gar kein Problem. Die Mengen können natürlich auch angepasst werden, je nachdem, wieviel Sauerteig man für ein Brot braucht.

Manchmal muß man vielleicht etwas Angst haben, wenns dem Sauerteig ZU gut geht und er die Weltherrschaft an sich reißen will, aber sonst 😉

Wollt ihr jetzt auch noch ein Brotrezept dazu?

Mein Standardrezept sieht folgendermaßen aus:

200 g Sauerteig
300 g Weizenmehl (550er)
100 g Roggenmehl (1150er)
225 ml Wasser
9 g Salz

Sauerteig, Mehle, Salz und Wasser vermischen und kräftig kneten. Das geht am besten mit einer starken Küchemaschine oder mit den Händen. Der Teig sollte mindestens 10 Minuten geknetet werden! Vorsicht – ich hab mir schon Knethaken vom Mixer bei solchen Aktionen abgebrochen!

Den Teig danach etwa 30 Minuten gut abgedeckt ruhen lassen, danach nochmal kräftig durchkneten, zu einem Laib formen und etwa 2 Stunden gehen lassen. Reines Sauerteigbrot braucht lange zum gehen. Je älter der Sauerteig, desto backstarker ist er. Bei ganz frischem Sauerteig muß man das Brot auch mal 4 bis 5 Stunden gehen lassen!

Den Backofen auf 250° vorheizen. Die Oberfläche des Brotes einschneiden, hinein in den Backofen damit und 10 min backen. Dann die Temperatur auf 200° reduzieren und das Brot in ca. 50 Minuten fertig backen lassen. Es sollte hohl klingen, wenn man auf die Unterseite klopft, dann ist es durchgebacken.

Der Geschmack kann noch durch Kräuter und Gewürze verändert werden. Kümmel, Koriander, Anis, Fenchel sind gute Brotgewürze – einfach etwas herumexperimentieren und guten Appetit!

Na, habt ihr Lust bekommen aufs Selberbacken? Oder backt ihr euer Brot schon längst selber? Ich freu mich auf eure Rückmeldungen und Erfahrungsberichte. Und wenn jemand einen Teil von meinem jahre-alten Sauerteig zum experimentieren haben mag – einfach Bescheid geben! Oder wollt ihr mal ein Brot gebacken bekommen? Auch da werden wir sicher handelseinig 😉

Wir haben natürlich auch schon mit Kindergruppen im Museum Brot gebacken, aber eine ganz andere Möglichkeit, mit ursprünglichem Backen zu experimentieren, bietet der Bajuwarenhof Kirchheim, ein experimentalarchäologisches Museum, wo ich einen Teil meiner Freizeit am dortigen selbstgebauten Lehmbackofen verbringe. Mitgebaut habe ich nicht, aber bebacken tu ich ihn gerne.

(Und ja, ich höre schon wieder die Fragen: Roxane, was machst du eigentlich NOCH alles? Viel zu viel, irgendwie…aber das Leben ist SO spannend! Übers Nähen hab ich ja noch gar nicht gebloggt…)

Und da ich jetzt schon wieder viel zu viel geschrieben habe, kommen zum Schluß nur noch ein paar fotografische Impressionen vom letztjährigen Saisonabschlußfest auf dem Bajuwarenhof:

Bildschirmfoto 2015-06-22 um 12.46.11

Meine Wenigkeitbeim Teig anmischen (mit Hand natürlich!) in einer Holzmolle. Und stilecht in Gewandung gekleidet.

 

 

 

 

Bildschirmfoto 2015-06-22 um 12.46.36

Der angefeuerte Lehmbackofen. Er braucht einige Stunden, bis er auf Temperatur ist. Asche, Kohle und Glut werden nach dem Anheizen herausgeräumt, der Ofen ausgewischt, dann kommen die Backlinge herein.

 

 

 

Bildschirmfoto 2015-06-22 um 12.47.21

Gebacken werden wahlweise Fladenbrote….

 

 

 

 

 

Bildschirmfoto 2015-06-22 um 12.47.55

…oder Brotlaibe.

 

 

 

 

 

 

Star Trek never dies

Jaja, wenn man einmal mit dem Schreiben angefangen hat…..dann hat man aber auch überall etwas dazu zu sagen.

Ich habe eben im Blog eines Freundes einen Artikel gelesen, auf den ich doch etwas länger antworten muß. Wo besser als hier?

Thule4klUm diesen Artikel geht es: „Star Trek is dead“.
Stephan zeichnet in seinem Artikel ein sehr düsteres Bild des Franchise. Seit dem vorzeitigen Ende der bislang letzten Serie „Enterprise“ im Jahr 2005 und den beiden letzten Kinofilmen, die ein Re-Start des Star-Trek-Universums in einer alternativen Zeitlinie waren, sieht er wenig Hoffnung für die Zukunft.

Ich sehe das etwas anders und bei weitem nicht so finster.
Ich bin Star-Trek-Fan seit 1989, seit nachmittags auf dem ZDF „Star Trek – das nächste Jahrhundert“ (TNG – The Next Generation) ausgestrahlt wurde und ich mit damals 12 Jahren gebannt vor dem Fernseher saß und dieses ganz neue Universum und die Zukunft entdeckte. Irgendwie hat mich das dann für den Rest meines Lebens geprägt.

Versetzen wir uns doch mal in diese Zeit zurück. Es hatte nur die Originalserie (TOS – The Original Series) gegeben, die von 1966 bis 1969 lief. 3 Staffeln in 3 Jahren.
Erst 10 Jahre später, im Jahr 1979 gab es den ersten Kinofilm und seien wir ehrlich, er war sehr psychedelisch. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, habe ich auch nur gedacht „Was ist DAS???“.
1982, 1984 und 1986 folgten die nächsten drei Filme – Klassiker und der 4. ist immer noch herrlich!

Und dann? Der Start einer neuen Serie im Jahr 1987. Ein neues Schiff, eine neue Crew. Ein alter, glatzköpfiger Mann, der das Schiff kommandierte. Eine Frau als Sicherheitsschef! Ein Android! Ein KLINGONE als Teil der Crew!!!
Zu Beginn wurde das ganze sehr mißtrauisch beäugt und auch dort war der Aufschrei groß, daß das Klassik-Universum zerstört werde.

Nur zwei Jahre später, 1989, kam der nächste Kinofilm mit der TOS-Crew ins Kino und lasst uns ehrlich sein – er war SO schlecht. Die Enterprise trifft auf Gott. Nunja. Für mich war es der erste Kinofilm, den ich – angesteckt von TNG – gesehen habe und meine erste Begegnung mit Kirk und Spock. Trotz aller Schlechtigkeit des Films – mir hats nicht geschadet und es hat mich auch nicht abgeschreckt 😉

TellarklAls sich Anfang der 90er TNG langsam dem Ende entgegen neigte, kamen Gerüchte auf. Über eine NEUE Serie! Ich weiß noch, wie wir in der Schule die Fanzeitschriften durchwühlt haben, um an Infos zu kommen. Ja, das war VOR Zeiten des Internets. Es war schwierig, Details zu erfahren.
Nichtsdestotrotz, daraus haben sich neue Freundschaften entwickelt. Jana von MyDenglischPOV habe ich darüber kennengelernt 🙂

Es sollte um eine Raumstation gehen! Mißtrauen machte sich breit – kein RaumSCHIFF mehr? Wie sollten denn da die Geschichten entstehen? Die Reise durch den Raum war doch das, was die Serien bisher ausgemacht hatte.
Wie alle Serien hatte auch „Deep Space Nine“ (DS9) seine Startschwierigkeiten. Bisher brauchte jede Serie ein bis zwei Staffeln, bis sie ihr eigentliches Gesicht gefunden hatte.
Genauso war es mit „Raumschiff Voyager“ (VOY), das nur zwei Jahre nach DS9 und ein Jahr nach dem endgültigen Ende von TNG in den Deltaquadranten verschlagen wurde. Eine FRAU, die das Schiff (immerhin wieder ein Schiff!) kommandieren sollte! Und bsiher ist VOY auch die Serie, die von den Fans am unterschiedlichsten beurteilt wurde. Einige verreißen sie, andere finden sie herrlich. Aber so sind wir nun mal. Es muß ja nicht jedem alles gefallen 😉
Wir haben uns damals öfter bei Jana getroffen, haben die neuesten Folgen von VOY aus der Videothek ausgeliehen und lange Star-Trek-Abende vor dem Fernseher gemacht.

1994 brachte auch im Kino den Wechsel von TOS zu TNG – „Treffen der Generationen“. Auch dem Film stehe ich zwiegespalten gegenüber. Nunja.
1996 und 1998 brachten „Der erste Kontakt“ und „Der Aufstand“, wobei auch letzterem wieder viele Vorwürfe gemacht wurden. Picard, der den Dienst quittiert und meutert war für viele nicht nachvollziehbar.
2002 kam „Nemesis“ in die Kinos und damit der endültige (?) Abschied von der TNG-Crew. Viele Fäden der Geschichte sind noch offen. Potential für Fortsetzungen ist immer gegeben.

Im Jahr 1997 habe ich auch meine erste Federation Convention (FedCon) besucht. Das deutschlandweit größte Fantreffen, das damals noch im Maritimhotel in Bonn stattfand und wenn man erstmal mit einigen tausenden von Fans und den Schauspielern zusammentrifft, dann merkt man erst einmal, wie divers auch das Fandom an sich ist. Da bin ich ja noch echt gemäßigt. Doch das ist eine andere Geschichte…

2001 startete wiederum eine neue Serie. Keine Fortsetzung, weiter in der Zukunft, sondern der Beginn der Föderation sollte beleuchtet werden. Es ging in die Vergangenheit (der Zukunft…). Die Reise des ersten Enterprise-Raumschiffes sollte beleuchtet werden. Gleich wieder Kritik aus dem Fandom: Von dieser NX-01 hatte ja noch niemand gehört. Die war ja gar nicht Canon. Der Canon ist die festgeschriebene und in sich konsistente offizielle Geschichte des Star-Trek-Universums. Viele der Romane, die es gibt, werden als nicht-Canon angesehen, ebenso natürlich alles, was sich auf FanFic-Ebene abspielt. Die Filme und Serien sind natürlich Canon.
Die ersten Filmschnippsel, die es auf den FedCons zu sehen gab, waren auf jeden Fall sehr vielversprechend. Ganz bewusst hatte sich die neue Serie dazu entschieden, nicht den Passus „Star Trek“ in den Titel zu nehmen, denn man befand sich ja noch auf dem Anfang des Weges. Sie hieß schlicht „Enterprise“ (ENT) und ich kann Stephans Jubelrufen nur zustimmen. Da kam etwas Großes auf uns zu. Eine Zukunfstvision, die nicht so glatt geleckt und in fernen Weiten angesiedelt war wie TNG oder die anderen Serien, sondern etwas, was uns in unserer eigenen Wirklichkeit viel näher war. Die ersten, zögernden, stolpernden Schritte in den Weltraum. Auseinandersetzungen mit Spezies, die den Weltraum schon viel länger in den Händen hatten. Die Menschheit, die jetzt meinte, sich als neuer Mitspieler auf der großen Weltraumbühne in alles einmischen zu müssen, aber doch eigentlich von nichts eine Ahnung hatte.
Ich habe auf jede Folge hingefiebert und schon mit den ersten Klängen der Titelmelodie ging mir das Herz auf und auch jetzt wird jede Folge grundsätzlich nur mit meinem NX-01-Basecap auf dem Kopf geschaut.

Leider hatte sich die TV- und Filmindustrie inzwischen so weit entwickelt, das jede neue Serie auch immer ein großer kommerzieller Erfolg werden musste. War das eigentlich bei VOY, DS9 und gerade TNG auch so? Ich glaube nicht, denn dann hätten sie sicherlich nicht alle ihre 7 Staffeln bekommen.
Wie auch immer, der Erfolg von ENT entsprach nicht den Erwartungen und es wurde an der Serie herumgedoktort. Das Signum „Star Trek“ wurde in den Titel aufgenommen. Die Titelmusik „rockiger“ gestaltet. Die Borg tauchten auf. Und zum Schluß sogar noch Crewmitglieder von TNG. Alles half nichts, nach nur 4 Staffeln war Schluß.
Meiner Meinung nach wurde die Serie wegen des zwingend notwendigen kommerziellen Erfolges kaputt gemacht. man hätte ihr ihre eigene Zeit geben sollen und NICHTS ändern, dann wäre es ganz von alleine gekommen, wie bei allen anderen Serien auch. Und Star-Trek-Fans sind treu. Die bleiben bei der Stange. Ich finde, daß ENT einige der größten Geschichten hervorgebracht hat. „The Andorian Incident“, „Shadows of P’jem“, „Shuttlepod One“, sorry, aber alleine beim Schrieben der Titel bekomme ich hier gerade eine Gänsehaut!
Ich muß ENT mal wieder schauen. Sohnemann ist 7, ob er das inzwischen mitmachen kann…?

Vier Jahre nach dem Ende von ENT, 2009, kam der nächste Kinofilm. Schlicht und einfach „Star Trek“ benannt. 30 Jahre nach dem ersten Film, der ja auch nur „Star Trek (The Motion Picture)“ hieß.
Mit diesem Film versuchte man einen Neustart des Franchise, eine Modernisierung und man begann – ganz am Anfang. Mit dem ersten Kommando von Captain James T. Kirk. Die Geschichte wird, dank eines temporalen Unfalles, ganz neu erzählt.
Ehrlich? Ich finds großartig. Ich finde die (inzwischen zwei) Filme richtig gut gemacht. Klar, es hat viel mehr Krach, Bumm, als es das vorher hatte. Die Philosophie bleibt auch etwas auf der Strecke, aber mei. Würde heute noch ein „Am Rande des Universums“ ziehen? Sind wir noch die gleichen, die wir vor 5, 10, 20, 40 Jahren waren?

Schaue ich mir heute die ersten Folgen von TNG an, dann rollen sich mir ehrlich die Fußnägel hoch. Man muß ein jedes Ding aus seiner Zeit heraus betrachten und deswegen entwickelt sich natürlich auch Star Trek weiter. Wir sind anders. Die politische Situation weltweit, die Wissenschaft ist anders. Natürlich wird auch Star Trek anders.

Aber solange es uns inspiriert, über die Zukunft nachzudenken, uns zu besseren Menschen zu entwickeln, solange daraus Freundschaften, Ehen und Kinder entstehen (alles schon erlebt!), solange geht es weiter. In die Zukunft. Manchmal vielleicht „Per aspera ad astra“, aber:

Star Trek never dies.

Ruby – Check

Neben meinen beruflichen Eskapaden bin ich im privaten seit bald 20 Jahren begeisterte Pen-and-Paper-Rollenspielerin. Lange Zeit in verschiedenen DSA-Gruppen („Das Schwarze Auge“), seit neuestem versuchen wir uns in „Shadowrun“.

Während DSA eine klassische Mittelalter-Fantasy-Welt ist, mit Rittern, Zauberern, Kriegern und Geweihten unterscheidet sich Shadowrun davon doch ziemlich. Shadowrun spielt in einer alternativen Zukunft, im Jahr 2075. Im Jahr 2011 begann die Magie, in die Welt zurückzukehren, Menschen entwickelten sich teils zu Metamenschen – Trollen, Orks, Zwergen, Elfen -, Drachen, Geister und weitere Fabelwesen tauchten auf. Neben diesen magischen Ereignissen entwickelte sich aber auch die Technik sprunghaft fort, die Matrix durchdringt den digitalen Raum, die Konzerne beherrschen die Wirtschaft. In dieser Welt gibt es einige, die in den Schatten leben, Shadowrunner, die für genug Geld dreckige Geschäfte erledigen.

In die Tiefen dieser finsteren Welt haben wir uns also kürzlich begeben und da man seinen neuen Spiel-Charakter auch selbst erst einmal näher kennenlernen muß, was liegt näher, als dies durch Schreiben zu tun.

Hier also meine erste Geschichte aus der Welt von Shadowrun. Trefft Ruby, die Mechaniker-Zwergin.

 


 

Check

Drek. Die Haustür war nicht abgeschlossen.
Ich ließ den Schlüssel im Schloß stecken und lockerte meine Light Fire im Holster. Sicher war sicher, obwohl ich nicht glaubte, daß irgendein Schlemihl, der meine Bude ausräumt, danach sorgfältig die Tür verschließen würde.
Vorsichtig drehte ich den Schlüssel. Mit einem leisen Klick öffnete sich die Tür. Ein Hauch von Putzmittel schlug mir entgegen, durchmischt mit dem Geruch von Mittagessen. OK, das Verderben war wieder in meine vier Wände eingefallen.

“Hi Mam”, rief ich, schnallte mit einer Hand das Holster ab und ließ es im Schuhschrank verschwinden. Meine Arbeitsstiefel standen in Reih und Glied nebeneinander, hier war sie also schon durchgewirbelt.
“Bist du das, Annaschatz?”, klang es aus der Küche.
Nein, ich bin Hübich, der wiederauferstandene Zwergenkönig, lag es mir auf der Zunge. Ich zog die Stiefel aus und hing die Jacke ordentlich an den Haken – Konflikte vermeiden, lautete die Devise.
“Ja”, antwortete ich also stattdessen und wappnete mich.

Sie stand an meiner schmalen Küchenzeile, rührte in drei Töpfen auf zwei Platten gleichzeitig, während alles um sie herum fein säuberlich blitzte. Kein Tropfen entfloh. Keine Flüssigkeit kleckerte. Wenn ich mal kochte, sah das anders aus. Bewundernswert.
Die blonden Locken hatte sie sorgfältig auf dem Kopf arrangiert, eine buntgemusterte Schürze um die runden Hüften gebunden.
Mein Blick fiel auf den Tisch. Blankgeputzt. Sorgfältig für drei gedeckt.

“Wo hast Du mein Werkzeug und die Drohne hingetan?”, entfuhr es mir scharf. Ich hatte heute morgen meine FlySpy auseinandergebaut und geplant, sie später wieder zusammenzusetzen. Das Herzchen funktionierte in letzter Zeit nicht hundertprozentig, das musste geändert werden.
“Den Kabelkram und die Schrauben? Habe ich in eine Schüssel geräumt und nach draußen gestellt. Deine Werkstatt war ja mal wieder abgeschlossen. Weißt du, wie das Zeug gestunken hat? Und überall das Öl auf dem Tisch. Das hat mich Stunden gekostet, das wieder wegzubekommen. Wozu hast du eigentlich deine Werkstatt, wenn du doch wieder alles in die Wohnung schleppst? Und warum verriegelst du die immer? Ich möchte nicht wissen, wie es da aussieht. Ein Putzlappen und ein Besen da drin würde mit Sicherhheit nicht schaden…”
Mit halbem Ohr hörte ich der Litanei zu, warf ab und an ein “Ja, Mam” ein und eilte zur Hintertür.

Da lag sie, zusammengekehrt in einer Plastikschlüssel. Frak, das würde mich zwei Tage kosten, das wieder auseinander zu klamüsern.
“Das schaffen wir schon, Herzchen”, meinte ich leise und ging rüber zum Werkstatttor. Ein Hoch auf das Magschloß, sonst wäre mein Heiligtum mit Sicherheit nicht vor Mam sicher.
Ich stellte Herzchens Einzelteile auf die Werkbank, lupfte die Plane und strich über Lassies seidenglatte, rubinrote Flanke.
“Heut abend, mein Schöner”, flüsterte ich und merkte, wie sich mein Herzschlag deutlich beschleunigte. “Heut abend ist es wieder so weit.”
Vorhin erst hatte ich Dragonbloods Nachricht in meiner Inbox gehabt, daß das nächste Rennen heute abend starten würde. Durch Puyallup würde es mal wieder gehen, Redheads gegen Accelerators und ich hoffte, daß Dragon mich diesmal eingeteilt hatte.
Ich tätschelte liebevoll Lassies Scheinwerfer, deckte ihn sorgfältig mit der Plane zu und verriegelte dann die Werkstatt. Sicher war sicher.

“…und dann hat dein Vater zu ihr gesagt…” Mams Litanei war anscheinend ununterbrochen weitergegangen. Wahrscheinlich hatte sie nicht gemerkt, daß ich draußen gewesen war.
Ich drückte ihr einen Kuß auf die Wange.
“Wo ist Paps denn?”, unterbrach ich sie.
“Er kommt etwas später, hatte noch einige geschäftliche Dinge zu erledigen. Ich hoffe, daß er rechtzeitg zum Essen da ist. Anna, Schatz, ich hab dir deine Wäsche mitgebracht und die dreckigen Klamotten gleich wieder eingepackt. Diese Flecken auf den Arbeitsanzügen, ich schwöre dir, die treiben mich noch einmal in den Wahnsinn!”
Sie legte den Kochlöffel beiseite, tat Deckel auf die Töpfe und schaltete den Herd herunter. Dann wandte sie sich mir zu und musterte mich kritisch von Kopf bis Fuß. Sie stütze die Hände in die Hüften.
“Kind, ich schwöre dir, so wie du aussiehst, wirst du nie einen anständigen Mann abbekommen. Und was ist das?”
Ein Griff an mein Kinn und mein Kopf wurde herumgedreht.
“Au, Mam, sei doch vorsichtig!” Die neue Haut um meine frisch eingebaute Talentbuchse war noch sehr empfindlich.
“Noch so ein Ding? Nicht mehr lange und du siehst aus wie ein Cyborg, wirklich. Kannst du dir nicht wenigstens die Haare darüber wachsen lassen? Und eine etwas natürlichere Farbe?
Sie strich über den schmalen Streifen knallroten Haares auf meinem Kopf.
“Nein Mam, kann ich nicht, will ich nicht, und darüber haben wir auch schon oft genug gesprochen.”

In diesem Moment vibrierte mein Kommlink. Ich zog das Gerät aus meiner Hosentasche und schaute aufs Display. Eine rote Sonne funkelte dort. Scarlett.
“Sorry Mam, ich muß da kurz rangehen.”
Ohne auf ihre Antwort zu warten, ging ich wieder durch die Hintertür nach draußen.

rb: Scarlett?
sc: Hi Ruby, hast du schon gehört?
rb: Viel, aber was genau?
sc: Rage hat sich vorhin das Interface von seiner Karre zerschossen.
rb: Nein! Wie hat er denn das geschafft?
sc: Tja, zu viel gewollt. Pimp my Hyundai geht halt auch nur soweit wie die Leitungen wollen. Puff, das wars.
rb: Frak. Krasse Sache.
sc: Und dein Vorteil. Wenn Rage ausfällt, bist du heut abend mit großer Wahrscheinlichkeit dabei. Brauchst noch Hilfe, den Tesla aufzumotzen? Ich könnt in 30 Minuten bei dir sein.

Ich knirschte mit den Zähnen. Scarletts Unterstützung könnt ich wirklich gut gebrauchen. Ein paar Leitungen im Motorraum könnten nochmal durchgeputzt werden und für mich war es doch immer ein Akt, auf Lassie draufzuklettern. Schicksal der kleinen Leute.

rb: Wär gigantisch, nur Drek, daß meine Eltern sich heut bei mir eingenistet haben. Wie ich die kenne, wirds knapp, daß ich rechtzeitig zum Rennen wegkomme.
sc: Deine Eltern? Warte, ich hab eine Idee. Booster schuldet mir noch einen Gefallen. Bis gleich.

Scarlett hatte die Verbindung unterbrochen. Drek, ich hoffte, er hatte einen guten Plan.

Es schepperte drinnen und ich hörte ein gequietschtes “WAS?” von Mam, dann flog die Hintertür auf.
“Annaschatz, ich hab grad eine dringende Nachricht von Tante Wilma bekommen. Sie ist doch grad in Urlaub und in ihrer Wohnung wurde Alarm ausgelöst. Vielleicht wurde eingebrochen. Ich muß sofort da hin und nach dem Rechten schauen. Ich sammele deinen Vater unterwegs ein. Tut mir leid, daß es mit dem gemeinsamen Essen nichts wird, zum Glück habe ich ja das Aufräumen und Saubermachen noch geschafft.”
Sie entledigte sich ihrer Schürze, fuhr sich kurz durchs Haar und drückte mich.
“Ich meld mich, ja? Komm am Wochenende zu uns, dann holen wir das Essen nach!”

Fünf Minuten später war sie verschwunden. Ein Hoch auf den Decker.

sc: Check, Ruby?
rb: Check, Scarlett!

<Fortsetzung folgt>

 


 

 

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