Phänomen #Selfie

Phänomen #Selfie

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe und die Kulturkonsorten laden ein zur Blogparade zum Thema Selfies anlässlich der Ausstellung „Ich bin hier!“.

Eigentlich bin ich ja für Selfies schon viel zu alt. Ich kann diesen Hype nicht verstehen, sich immer und überall in Szene zu setzen. Abgesehen davon find ich mich nicht wirklich fotogen, selbstgemachte Bilder sind noch schlimmer….die Anzahl Selfies, die es von mir gibt, kann man glaube ich an einer Hand abzählen.

Das Phänomen dieses „Ich und…“ ist ja aber nicht neu – neu ist nur, daß inzwischen fast jeder ein Smartphone hat und selber knipsen kann. In früheren Zeiten musste man noch einem Vorbeilaufenden dafür die Kamera in die Hand drücken und um ein Foto bitten.

Ich erinnere mich da an die Star-Trek-Conventions, die ich in früheren Jahren des öfteren besucht habe – es waren natürlich auch die entsprechenden Schauspieler zu Gast. Wenn man Glück hatte, dann begegnete man einem im Getümmel und sofort wurden gemeinsame Bilder gemacht: „Ich und George Takei“, „Ich und John de Lancie“, „Ich und XY“. Nicht nur das, in späteren Jahren wurden regelrechte Foto-Panels angeboten, wo man sich vor blauem Hintergrund zusammen mit seinem Star gegen entsprechendes Entgelt ablichten lassen konnte. Ich habe das nie mitgemacht, irgendwie fehlt mir da das Verständnis dafür. Was hab ich davon, was bringt mir das. Hm.

Das erste Selfie was ich gemacht habe, ist noch gar nicht so alt….das war vor 2 Jahren in Heidelberg, wo ich das erste Mal für ein paar Tage von Mann und Sohn getrennt war…es war auch gar nicht für die große weite Welt gedacht, sondern nur ein Gruß an die Daheimgebliebenen. Genauso wie die Selfies, die ich jetzt bei meinem Ägypten-Aufenthalt gemacht habe – und natürlich der Beweis, daß ich es dann doch endlich mal ins Land der Pharaonen geschafft habe.

Nunja, und dann war da ja noch die Gruppe ägyptischer Schüler (und andere Besucher!) in Philae, die alle unbedingt ein Selfie mit mir haben wollten – warum, ist mir auch immer noch unverständlich, denn weder bin ich prominent, noch besonders fotogen, noch kannten mich die Herrschaften irgendwie.

Abschließend bleiben viele Fragen und ein gewisses Wundern über das Phänomen Selfie. Ich persönlich nutze die Social Media meistens dazu, meine Sicht auf die Welt zu präsentieren und nicht der Welt einen Blick auf mich zu erlauben – vielleicht ist auch das ein Grund, warum ich mit den Selbstporträts nicht so wirklich warm werden kann 😉

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Von der Vereinbarkeit…

Nachdem ja nun meine Ägypten-Blog-Serie ziemlich abgeschlossen ist, bleib ich doch irgendwie beim Thema, nämlich meinem Beitrag zur Blogparade  #LernenFamilie von daddylicious in Zusammenarbeit mit IUBH Fernstudium.

Die Vereinbarkeit von Job und Familie und dann noch der Wunsch nach Karriere, Weiterbildung etc. – wie läuft das bei uns? Nun, da muß ich etwas länger und weiter ausholen.

Mein Sohn ist 2008 geboren, ich habe direkt nach dem Mutterschutz wieder angefangen zu arbeiten, damals hatte ich eine halbe Stelle, in Absprache mit meiner Chefin hatte ich mein Arbeitspensum auf 3 Stunden täglich reduziert, der Rest Stunden lief bei Abendeinsätzen oder am Wochenende – in einem Museum sind solche Sondereinsätze unvermeidlich. Da mein Mann auch Vollzeit arbeitet – einer muß ja das Geld ranbringen, denn nur von Ägyptologie kann man auch nicht wirklich gut leben – brauchten wir also Betreuung fürs Kind. Wir haben uns eine Tagesmutter gesucht, bei der er mit 8 Wochen dann vormittags immer war. Ich habe zwischen den Stillpausen gearbeitet, bzw. mit Abpumpen einen Milchvorrat angelegt – glücklicherweise waren Arbeit, Tagesmutter und Zuhause nicht allzu weit auseinander. Ich muß dazu sagen, daß ich im ganzen nachgeburtlichen Hormonüberschwang eigentlich schon am liebsten die Zeit nur mit dem Kind verbracht hätte, aber meine Chefin kennt mich manchmal besser, als mir lieb ist und meinte, daß ich mich durch einen langen Ausstieg nur selbst unglücklich machen würde – Recht hat sie gehabt, denn dafür liebe ich meine Arbeit zu sehr, wie ich inzwischen auch weiß 😉

Mit 1 Jahr kam Sohnemann dann in die Krippe, mit 3 in den Kindergarten, bei beiden blieb er bis ca. 14 Uhr, so daß ich meine halbe Stelle auch gut ausfüllen konnte, aber auch noch genügend Zeit fürs Kind habe. Natürlich kommt man manchmal ins Schlingern, sei es, weil dringende Einsätze oder Termine am Nachmittag anliegen, aber entweder lässt sich da etwas bei Freunden und Bekannten organisieren, oder das Kind kommt halt einfach mit, da habe ich keine Hemmungen!

Gegen Ende der Kindergartenzeit konnte ich meine Stelle auf dreiviertel aufstocken – die Buchungszeit aber nicht, es war also auch immer etwas Gehetze, das Kind rechtzeitig abzuholen, aber da ich ein Morgenmensch bin, starte ich meist gegen 7.30 Uhr auf der Arbeit und dann passt das auch! Der Morgendienst liegt seit jeher in Papas Händen, er kann etwas später anfangen und hat Kind also immer zur Tagesmutter, Krippe, Kita gebracht.

Manch einem mag es unverständlich erscheinen, daß man sein Kind schon so früh in Fremdbetreuung gibt, auch ich habe durchaus einige schräge Blicke geerntet, daß ich so früh wieder angefangen habe, aber: Unser Sohn hat NIE Probleme beim ein- und umgewöhnen in Krippe, Kita, Hort, Schule gehabt, denn er ist damit aufgewachsen, quasi fast von Geburt an, daß Mama und Papa arbeiten und er anderweitig betreut ist – er kennt es also nicht anders. Er ist aufgeweckt und umgänglich, hilfsbereit und sozial kompetent und das schiebe ich jetzt auch mal alles auf die frühe Betreuung.

Inzwischen ist er in der zweiten Klasse, danach im Hort, ich arbeite seit 1.10. wieder Vollzeit und es klappt weiterhin alles ohne Probleme, Auch Weiterbildungen sind bei uns kein Problem – man muß sich innerfamiliär natürlich nur entsprechend abstimmen, dann sind auch mehrtägige Tagungen in anderen Städten möglich. Ich leide bei so etwas meist mehr als das Kind 😉

Das Beste ist es natürlich, wenn man vom Museum aus selbst Gastgeber oder Veranstalter von Fortbildungen ist – dann kann man so etwas gleich in der Arbeitszeit erledigen – passt!

Unsere größte organisatorische Herausforderung war jetzt natürlich meine Fortbildung – die ich gegeben habe – in Ägypten – zwei Wochen Abwesenheit verlangten da von allen etwas ab. Mann muß bis 17 Uhr arbeiten, Kind ist bis 17 Uhr im Hort, Hort macht dann zu. Das Problem haben wir so gelöst, daß das Kind nach dem Hort noch zu verschiedenen Freunden in der Nähe ging und dort dann vom Papa abgeholt wurde. Zwei Wochen – kein Problem. Hoffen wir, daß es auch in Zukunft so läuft!

Und jetzt muß ich gleich los und das Kind vom Hort abholen…;)

Einblicke

Einblicke

Anderthalb Wochen ist es jetzt her, daß ich wieder aus Ägypten da bin….wieder mitten hinein in den Alltag, zwei verpasste Wochen aufholen, Erkältung nach Klimawechsel inklusive….aber einen Blogpost aus Ägypten habe ich noch in der Leitung.

Am ersten Kurstag im Nubischen Museum hatten wir uns ausführlich über eine Statue des Chephren unterhalten und uns angeschaut, was man eigentlich alles aus einer Statue herauslesen kann, wo sich Anknüpfungspunkte zu anderen Themen finden. Daran möchte ich euch auch gerne teilhaben lassen:

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Museumsobjekte bieten vielfältige Herangehensweisen in der Vermittlung. Führungen in einem Museum orientieren sich natürlich an den vorhandenen Objekten, diese sollen jedoch nur einen Ausgangspunkt bilden, um Geschichten rund um sie herum zu erzählen und so – in unserem Fall – die altägyptische Kultur möglichst umfassend vorzustellen.

Als ein Beispiel was man alles aus einer Statue herauslesen kann, soll die Sitzstatue des Chephren aus dem nubischen Museum in Assuan dienen.

Das Beschriftungsschild gibt uns nur einen groben Anhaltspunkt, um was es sich hier handelt.

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Wie können wir an der Statue ablesen, um wen es sich handelt?

IMG_4035Den Namen des Königs finden wir in den beiden Inschriften auf der Vorderseite der Statue. Ägyptische Königsnamen werden in Kartuschen geschrieben. Der kundige Hieroglyphenkenner liest hier „Cha-ef-Ra“: Chephren in der späteren Überlieferung.

Wieso schreibt man Königsnamen in Kartuschen? Was ist überhaupt eine Kartusche? Und wieso heißt sie so?

Eine Kartusche ist ein ovaler Ring mit einem Querstrich am Ende. Altägyptisch hieß sie „Schen“-Ring, die französischen Soldaten, die mit Napoleon in Ägypten waren, fühlten sich von der Form an ihre Patronenhülsen erinnert. Diese heißen französisch „Cartouche“.

Der Ring und die Linie stehen in der altägyptischen Vorstellung für zwei Begriffe von Ewigkeit. Der Ring ist die zyklische, immer wiederkehrende Ewigkeit neheh – alles wiederholt sich in einem ewigen Kreislauf: die Sonne wandert über den Himmel, die Phasen des Mondes, der Wechsel der Jahreszeiten, die Nilflut. Die Linie ist der Lauf der Zeit, die djet-Ewigkeit: Von einer Schöpfung ausgehend läuft die Zeit voran in alle Ewigkeit bis zu einem irgendwann stattfindendenden Weltenende.

Diese uns sehr fremde Vorstellung von zwei parallelen Ewigkeitsbegriffen ist typisch für die altägyptische Kultur, wo vieles zweifach, als Dualismus, auftaucht: Diesseits und Jenseits, Himmel und Erde, Götter und Menschen und vieles mehr.

Schaut man in der Inschrift höher, dann findet man einen weiteren Königsnamen, diesmal nicht in Kartusche geschrieben, sondern mit einem „Serech“, einer Palastfassade.
Auf dieser sitzt der Gott Horus in Falkengestalt, mit der Doppelkrone Ägyptens auf dem Kopf. Der König verstand sich als Stellvertreter des Gottes Horus auf Erden. So wie in der Götterwelt Horus nach dem Tod seines Vaters Osiris (dieser wurde zum Herrscher des Jenseits) Herrscher des Diesseits wurde, so ist der regierende König Horus auf Erden, sein verstorbener Vorgänger wird zu Osiris im Jenseits. Dies nennt man einen göttlichen Präzedenzfall. Was in der Götterwelt sich ereignete, hat auch Auswirkungen auf das Diesseits und das Leben der Menschen.

Horus trägt die Doppelkrone, die rote Krone Unterägyptens und die weiße Krone Oberägyptens. Traditionell hat man Ägypten in zwei Landesteile unterteilt. Unterägypten, das Delta, im Norden und Oberägypten bis zum ersten Katarakt im Süden. Der König verstand sich als Herr der zwei Länder und symbolisierte dies durch die Kronen, die auch einzeln getragen werden konnten. Auch hier taucht wieder der Dualismus auf!

Wieso aber nun ein weiterer Königsname? Neben seinem eigentlichen Geburtsnamen trug ein altägyptischer König noch 4 weitere Namen, die er mit der Krönung annahm. Dies sind der „Nesu-Biti“-Name, der Horusname, der Goldhorusname und der Zwei-Herrinnen-Name. Oftmals setzte sich der König mit der Wahl der Thronnamen in die Tradition eines Vorgängers – wir kennen heute ähnliches vom Papst.

Die Statue trägt also Namen und Titulatur Chephrens und ist ihm damit einigermaßen zweifelsfrei zuzuweisen. Einigermaßen zweifelsfrei? Ja, denn manchmal konnte es vorkommen, daß ein König die Statue eines Vorgängers nahm, dessen Namen aushacken ließ und seinen stattdessen draufschrieb. Die Zuordnung einer Statue zu einer Person geschah in Altägypten nämlich durch Namensnennung auf der Statue. Dieses Phänomen nennt man Statuenokkupation.

Schauen wir uns die beiden Inschriften an, so sehen wir, daß es zweimal dieselben sind, allerdings gespiegelt, so daß sich die Zeichen anschauen und zur Statue selber orientiert sind. Hieroglyphen kann man von rechts nach links und von links nach rechts anordnen. Bild/Statue/Inschrift bilden immer eine Einheit, deswegen können Inschriften auch mit variabler Richtung angebracht werden.

Hier könnte ein Exkurs zu den Hieroglyphen folgen, aber dazu habe ich ja schon geschrieben: Und das kann man lesen…?

Wenn wir die beiden Zeilen Inschrift miteinander vergleichen, dann können wir sehen, daß die auf der rechten Seite deutlich feiner und sorgfältiger gearbeitet sind als die auf der linken Seite. Es scheinen parallel verschiedene Handwerker an dem Stück gearbeitet zu haben.

Schauen wir auf die Seiten der Statue, so sehen wir auf drei Seiten ein Symbol: zwei Pflanzen sind um eine Hieroglyphe in der Mitte geknotet. Dies sind Lotos und Papyrus, die beiden Wappenpflanzen Ober- und Unterägyptens. Sie umschlingen das Schriftzeichen „sema“ – vereinigen. Das ganze Symbol ist zu lesen als „sema-taui“, die Vereinigung der beiden Länder und steht für das eigentliche Entstehen Altägyptens und somit den Beginn der altägyptischen Geschichte. Die erstmalige Vereinigung der beiden Länder wird dem legendären König Menes zugeschrieben – wahrscheinlich wird es wohl ein Prozess ein, der über mehrere Generationen hinwegging.

{An dieser Stelle könnte man noch weiter ausholen und über die Reichseinigungszeit sprechen, Stichwort: Narmerpalette}

Trotz allem musste jeder König mit Herrschaftsantritt erneut die beiden Länder vereinigen, manchmal nur symbolisch, manchmal auch in der Realität und deswegen finden wir dieses Symbol oftmals auf den königlichen Statuen.

IMG_4039Woran kann man aber noch erkennen, daß es sich um eine königliche Statue handelt? Ein Hinweis ist der sogenannte Königsschurz, ein sehr aufwendiger dreiteiliger Schurz, der sich im vorderen Bereich überlappt, ein weiterer Streifen hängt bis zum Knie herab. Durch die Riffelung des Steines ist eine Faltung des Schurzes angedeutet. Diese Faltung in den Stoff hereinzubekommen war sehr aufwendig. Manchmal wurde der noch nasse Stoff in Falten gelegt und so trocknen gelassen, manchmal hat man auch zwei gezackte Bretter genommen und zwischen diese den Stoff gelegt und so in Falten gepresst. Beides war ein sehr aufwendiger Prozess, den sich so wohl nur hochstehende Personen leisten konnten.

Der „Königs“schurz findet sich auch bei den Statuen anderer hochrangiger Personen und ist für sich allein genommen noch kein Hinweis auf eine königliche Darstellung.

Der Kopf der Chephrenstatue fehlt. Trotz allem kann man an den Bruchkanten noch Reste des Königskopftuches, des Nemes, erkennen. Das Nemes war aus festem Stoff hergestellt und wurde haubenartig über dem Kopf getragen. An der Stirn war es mit einem Metallreif befestigt, an dem sich meist noch eine Uräusschlange befand, im Rücken war es zu einem Zopf zusammengefasst, zwei Streifen des Kopftuches hingen auf die Brust herab. Auf diesen beiden ist eine Querstreifung zu erkennen. Diese Querstreifen waren gold (oder gelb) und blau bemalt. Eine bekannte Darstellung in Farbe ist die Goldmaske des Tutanchamun. Gold und blau waren in der Vorstellung der alten Ägypter die Farben der Götter. Gold war ihre Haut und ihr Fleisch, blau (Lapislazuli) waren ihre Haare. Diese Darstellung mit gelber Haut und blauen Haaren kennen wir auch von menschengestaltigen Särgen – es soll dabei die Vergöttlichung des Verstorbenen im Jenseits zeigen. Beim König dagegen weist es auf seine göttliche Natur hin. Der König war Gott und Mensch in einer Person. Das Nemes-Kopftuch war nur eine der königlichen Kopfbedeckungen. Die Doppelkrone hatten wir bereits bei der Horusdarstellung in der Inschrift gesehen, weitere Kronen waren die blaue Krone (eine Art Kriegshelm) und die Chat-Haube.

Wenn wir uns die Bruchkante des Kopfes ganz genau anschauen, so kann man in Höhe des Kinns noch den Ansatz des Königsbartes erkennen. Dieser Bart war kein natürlich gewachsener, sondern er gehörte zu den Königsinsignien dazu. Er war umgebunden, was man bei vollständigen Statuen an dem Band, das von Schläfe zu Kinn verläuft, erkennen kann.

IMG_4033Bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, daß der König etwas in der rechten Hand hält. Es ist ein zusammengedrehtes Tuch, das die Form der Hieroglyphen „sa“ hat, was Schutz bedeutet. Die Zipfel dieses Tuches sind an der Seite des Oberschenkels zu erkennen, sie hängen unten an der Hand heraus.

Wenn wir uns zum Schluß die Statue als Ganzes betrachten, so können wir überall imaginäre parallele Linien erkennen, das unten stehende Bild deutet dies nur an, es ist von jeder Seite aus möglich. Dieses Gitternetz deutet auf den Herstellungsprozess der Statue hin. Auf einen zu bearbeitenden Block wurde auf jede Seite ein Gitternetz gezeichnet. In dieses kamen die unterschiedlichen Ansichten der Statue hinein, der Bildhauer begann, den Stein nach diesen Ansichten abzumeißeln. Nachdem aus dem Block die groben Formen herausgearbeitet wurden, trug man ein erneutes Gitternetz auf die Statue auf, brachte wieder die Innenzeichnung an, dann wurde weiter an der Statue gearbeitet. Statuen in verschiedenen Produktionsstufen sind aus dem alten Ägypten bekannt, so daß wir den Herstellungsprozess sehr gut nachvollziehen können.

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Schlußendlich gibt es zu dieser Statue noch eine Parallele, die berühmte Chephren-Statue mit dem Falken in Nacken, die im Kairener Museum steht und auf dem ägyptischen 10-Pfund-Schein abgebildet ist.

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Bestimmt hätte man zu der Statue noch viel mehr erzählen können, aber für den Anfang soll es erst einmal reichen – im Museum standen wir etwa 2,5 Stunden um die Staue 😉

Abschied von Assuan

Abschied von Assuan

Es ist soweit, der letzte Tag in Assuan ist angebrochen, morgen früh um 4 Uhr geht’s mit Boot und Taxi in Richtung Flughafen und dann über Kairo zurück nach München.

Die 14 Tage Ägypten waren unglaublich lang, andererseits sind gerade die letzten Tage derart schnell verflogen und auf meinen Abschied sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge hin. Lachend, weil ich in München endlich wieder meine Männer in die Arme schließen kann. Weinend, weil ich Assuan und Elephantine unglaublich vermissen werde.

Morgens früh aufstehen und bewundern, wie die Morgensonne auf die Westwüste scheint. Im Laufe des Tages zu beobachten, wie sich das Licht verändert. Es gibt im Sand unglaublich viele Schattierungen, mal hell, mal dunkel, rötlich, orange, gelb und genauso ein Farbenspektrum bietet auch der Himmel, am Morgen, am Abend, aber auch am Tag. Der Nil, der majestätisch vorbeifließt. Der Wind, der fast immer leicht von Norden weht, mal kühl, mal warm, aber immer anders. Der Geruch der Luft, der ein ganz eigener und manchmal richtig süß ist. Es wird mir fehlen und deswegen werde ich mit Sicherheit auch ganz bald zurückkehren.

Heute bin ich mit der Grabungsmannschaft am frühen Morgen in die Westwüste herübergefahren um mit ins Deir-Anba-Hadra-Kloster zu kommen. Großen Dank an dieser Stelle an Lena Krastel und Sebastian Olschok, die beide etwas ihrer kostbaren Zeit geopfert haben, um mich durchs Kloster zu führen, auch davon gibt es mehr Bilder, wenn ich wieder stabiles und zuverlässiges Internet habe.

Auch diese Anlage ist unglaublich spannend und es gibt viel zu tun und zu entdecken aber genau wie bei allen anderen Projekten ist das Problem immer: Zeit und Geld.

Am Nachmittag habe ich mir noch einmal meinen Fotoapparat geschnappt und bin durch das nubische Dorf gelaufen, das zwischen Grabungshaus und Fähranlegestelle liegt.

Anbei ein paar Impressionen.

Jetzt heißt es nochmal ganz intensiv Wüstenluft atmen, sich die Sonne auf den Pelz brennen lassen und dann morgen zurück ins herbstliche Deutschland.

Mit lachendem und weinendem Auge….

Bis bald, Assuan.

Staub und Steine, Teil 2 – Assuan, Tag 9

Staub und Steine, Teil 2 – Assuan, Tag 9

(mit diesem Beitrag ist der Blog wieder up to date!)

Alle anderen durften heute (Sa, 31.10.) wieder arbeiten – ja, Wochenende ist hier nur einen Tag, Feldarbeit (also archäologisch, nicht bäuerlich) ist kostbar.

Für mich dagegen stand Kultur auf dem Plan. Am Donnerstag beim Dinner im Old Cataract hatte ich Pamela Rose kennengelernt. Sie arbeitet für das Österreichische Archäologische Institut und gräbt derzeit in Hisn el-Bab (weitere Infos auf der Seite des ÖAI) und die Chance, eine solche aktuelle Grabung zu besuchen, kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Auf die Festung kommt man nur per Boot und man braucht die Grazie einer Ziege, um den steilen Berg emporzuklimmen.

Für den Weg hatte ich mir wieder unseren bewährten Taxifahrer Mohsen bestellt, der mich in die Weltstadt Jabal Shishah brachte. Dort ist die Anlegestelle des Bootes des ÖAI und passenderweise war der erste, den wir im Dorf fragten, gleich der Kapitän des nämlichen Bootes. Passt!

Er schipperte mich also über den Stausee und als wir am Fuß des Berges anlegten, kam auch gerade schon Pamela denselbigen herab, um zwei ihrer Mitarbeiter zum Boot zu begleiten. Manchmal geht der Zeitplan auch voll auf.

Der Weg hinauf nach Hisn el-Bab führt steil über rutschiges Geröll und Felsen hinauf. Kein Spaß, hat allerdings auch den Vorteil, daß keine Touristen über die Ausgrabung latschen 🙂

Fazit der Führung, die mir Pam gab: Man weiß bisher noch nicht viel und das, was man weiß, passt alles nicht zusammen. Man hat Festungsreste aus der fatimidischen Zeit, eine römische Festung, die ins 6. bis 7. Jahrhundert datiert und auch noch frühere Festungsreste. Die Funde, die man hat, sind alle 6./7. Jh., nichts davor und nichts danach, was alles noch sehr rätselhaft ist. Wir können gespannt sein, was in nächster Zeit dort noch entdeckt wird!

Ein kleines Detail am Rande: In einigen Räumen der Festung wurden Vorräte – vielleicht nubische Tributgaben – gefunden, in einem Gefäß befanden sich noch über 1000 Oliven! Keine Kerne, sondern noch die Früchte! So gut erhalten, nach all der Zeit, daß auch die Mäuse nach der Freilegung sich drüber hermachen wollten 😉

Nach genügendem Herumgekraxele im Geröllhang bin ich dann wieder hinab zum Boot und habe mich übersetzen lassen nach Philae….nicht das ursprüngliche, sondern das umgesetzte auf der Insel Agilika.

Ein Traum, Philae! Insbesondere, wenn man fast alleine ist, den Aufpassern dann endlich klar gemacht hat, Nein, ich will kein Foto, shukran, und einfach den Tempel genießen und sich alles ganz genau anschauen kann.

Bis…..ja, bis dann der ägyptische Schulausflug mit ungefähr mindestens 150 Halbwüchsigen über die Insel herfiel und den Tempel stürmte. Und dann….ja dann war ich das heißbegehrteste Foto-Objekt in diesem Tempel. Ich hab mich ja gefühlt wie ein Promi! „Can I take a photo with you????“

Warum? Warum habe ich mich und die anderen immer gefragt. Tja, scheinbar gilt man hier mit heller Haut immer noch als Exot, zumal, wenn man dann alleine und nicht in einer Reisegruppe unterwegs ist. Spannend, zumal sich das heute beim Kindertag auch wieder gezeigt hat, wenn man von den Kindern angestarrt wird, als käme man vom Mars, wenn gickernde Mädchen auf einen zukommen, einem die Hand geben und dann noch kichernder wieder weglaufen.

Ja, zumindest bei den jungen Mädchen auf Philae habe ich dann irgendwann nachgegeben und Fotos machen lassen, ja, auch heute beim Kindertag wurden Fotos mit mir gemacht….sollten euch also demnächst irgendwo Fotos von mir begegnen, dann bedenkt, ich bin ein Exot 😉

Nun denn, mit meinen vielen Philae-Fotos werde ich euch in nächster Zeit auch zuschwemmen, hier nur eine kleine Auswahl:

Und nur soviel, schon wieder war ich schlecht vorbereitet, denn natürlich habe ich vergessen, vorher nachzuschauen, wo denn genau die letzte datierte hieroglyphische Inschrift sich befindet. Und natürlich habe ich auch keinen Grundriß vom Tempel dabeigehabt, um mich zu orientieren.

Beim nächsten Mal wird alles besser!

Das Boot hat ich gut wieder zurück gebracht nach Jabal Shishah und gerade als ich ankam, bog auch mein Taxi in die staubige Straße ein – perfektes Zeitmanagement, den ganzen Tag!

Morgen, am Montag, bricht nun mein letzter Tag hier in Assuan an – ich werde die Deir-Anba-Hadra-Mannschaft ins Kloster begleiten und schauen, ob ich mich auf der Ausgrabung irgendwo nützlich machen kann – ich bin gespannt!

Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Halloween gehabt? Das ist hier diesmal völlig an mir vorbei gegangen…

Staub und Steine, Teil 1 – Assuan, Tag 8

Staub und Steine, Teil 1 – Assuan, Tag 8

Heute ist FREItag (30.10.) – Wochenende!

Und was tut man am Wochenende? Man macht einen Ausflug! Und was tut man, wenn man Archäologe ist? Man besucht Ruinen! Und was tut man, wenn man gerade an einem koptischen Kloster gräbt? Man sucht Klosterruinen!

Wir hatten uns also verabredet, mit dem Teil der Deir-Anba-Hadra-Mannschaft auf die Suche nach den Überresten des Klosters in Deir el-Kubanieh zu gehen.

(n.b.: Wer mehr wissen will über die Grabung der schaut auf die Seite des Deutschen Archäologischen Institutes: Deir Anba Hadra Projekt)

Von Kubanieh gibt es nur einen Ausgrabungsbericht von Herrmann Junker aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Von einer unserer ägyptischen Mitarbeiterinnen wußten wir, daß dort wohl nur noch eine Ziegelmauer steht. Wir ließen uns überraschen.

Für 10 Uhr war das Taxi bestellt und dann ging es in die Wüste nördlich von Assuan. Nach kurzer Verwirrung – es gibt Kubanieh-Nord und -Süd, wir waren zuerst in Nord, war ja klar – fanden wir dann auch unsere Lehmziegelmauer. Wir hatten den alten Junker-Plan mitgenommen (Bild) und versuchten ihn, vor Ort nachzuvollziehen. Gar nicht so einfach, denn gerade DIE große Mauer fehlt auf seinem Plan völlig und auch sonst ist er sehr ungenau.

Es war auf jeden Fall noch mehr da als die eine Mauer, aber wirklich spektakulär ist es nur für die Fachleute 😉 Und auch das nicht unbedingt. Es müsste dringend mal gegraben werden, aber: Zeit! Geld!

Nachdem wir also nach anderthalb Stunden fertig waren und der Tag noch lang war, beschlossen wir, die Gräber auf der Qubbet el-Hawa anzuschauen, da auch dort noch nicht alle (including me) gewesen waren.

Unser Taxifahrer brachte uns an die nördliche Anlegestelle und als wir drüben angekommen waren, mussten wir feststellen, daß das Kartenhäuschen leider geschlossen war, der Herr war beim Freitagsgebet, nur ein netter Touristenpolizist war da, der uns bat, zu warten und uns dann nach einiger Zeit einfach den Berg hochschickte und uns das Versprechen abnahm, die Karten einfach nachzulösen. Taten wir dann natürlich auch!

Die Qubbet el-Hawa von Assuan aus gesehen

Die Qubbet el-Hawa von Assuan aus gesehen

Die Gräber auf der Qubbet el-Hawa stammen aus der Zeit des Alten und Mittleren Reiches. Bekannt sind die Gräber des

– Heqaib, der ja auch sein Heiligtum hier in der Siedlung von Elephantine hat

– Herchuf, mit seiner berühmten Inschrift, in der der junge König Pepi II. sich über einen Zwerg freut, den Herchuf aus Afrika mitgebracht hat

– Sarenput I., ein Gaufürst aus der Zeit des Mittleren Reiches

Ich war für den Besuch natürlich mal wieder total unvorbereitet und werde daheim erst einmal mit Publikationen meine Bilder sortieren müssen….

Desweiteren gibt es auch auf der Qubbet el-Hawa auch Reste einer Kirche aus koptischer Zeit und eines zugehörigen Klosters oberhalb der eigentlichen Gräber. Beides natürlich auch noch nicht ergraben und erfasst und die Bilder und Inschriften der Kirche leiden durch die Besucher massiv. Es ist so viel zu tun!

Nach der Hälfte der Gräber hat mich wieder der Klassiker ereilt: Kamera-Akku leer! Neuer Akku im Grabungshaus! Aber glücklicherweise hat man ja heutzutage ein Smartphone, was auch brauchbare Bilder macht 😉

Einige der Gräber sind offen und begehbar, aber ziemlich dunkel. Klassiker 2: Taschenlampe, im Grabungshaus! Aber die anderen hatten Licht dabei. Und: Retter Smartphone, mal wieder!

Ich konnte mir das ganze natürlich nicht entgehen lassen und musste einen dunklen, schrägen, vielversprechenden Schacht hinabgehen, aber außer viiiiiiiielen kleinen Fledermäusen, ihren Hinterlassenschaften und weiteren tiefen Schächten war leider nichts zu entdecken. Den Fledermausgeruch werde ich so schnell nicht mehr aus der Nase bekommen, zumal er mir am nächsten Tag wieder begegnen sollte!

Falls ihr interessiert seid, dann schaut in nächster Zeit immer mal wieder in meine Social-Media-Kanäle, da werde ich euch demnächst mit stabilem Netz in Deutschland mit genügend Bildern versorgen!

Da wir an diesem Tag durch den Ausflug das Mittagessen im Haus verpasst hatten, versorgten wir uns im Suq von Assuan dann noch mit Shawarma (köstlich!) und Zuckerrohrsaft (noch köstlicher!) und damit war der Tag dann auch gegessen 🙂

Mehr Staub und Steine gibt’s im nächsten Bericht!

Spätrömische Dekadenz? – Assuan, Tag 7

Spätrömische Dekadenz? – Assuan, Tag 7

(Sorry, die Beiträge sind nicht ganz in der korrekten Reihenfolge, ich hinke hinterher, deswegen tun wir jetzt einen Schritt zurück zu Do, 29.10.)

Die erste Woche in Assuan neigt sich dem Ende zu, morgen ist Wochenende (ja, Freitag ist hier ja wirklich FREItag!), heute ist der letzte Kurstag mit meinen Teilnehmern.

Nach 4 Tagen Theorie ging es heute an die Praxis: Umsetzung und Vorbereitung des Kindertages im Museum am Sonntag und das hieß: Basteln!

Es wird gebastelt!

Es wird gebastelt!

Wir trafen uns also diesmal nicht im Museum direkt, sondern in der Bibliothek, wir hatten Stifte, Kleber, Scheren und Bastelvorlagen dabei und dann ging es ans Werk.

Wie schon die ganze Zeit, so waren die Teilnehmer auch diesmal mit Feuereifer dabei und es ist doch schön zu sehen, wenn gestandene ägyptische Männer voller Inbrunst Pektorale mit Glitter Glue gestalten und schnippeln und malen!

Abends hieß die Devise: Dekadenz! Weil es für uns der letzte Kurstag war, weil morgen einige Grabungsteilnehmer abreisen, weil Johanna abends einen Vortrag im Nubischen Museum gehalten hat, hieß es für uns alle Abendessen im „Old Cataract“, jenes berühmte Hotel, das in Assuan mit Blick direkt auf Elephantine liegt und auf dessen Privatterrasse Agatha Christie ihren Roman „Tod auf dem Nil“ geschrieben hat.

Falls ihr mal zufällig hier seid: Es lohnt sich! Am Abend (noch besser, bei Sonnenuntergang!) auf der Terrasse zu sitzen und auf den Nil zu schauen…einzigartig! Und auch das Essen war sehr gut.

So lässt es sich aushalten!