Bier im alten Ägypten – Ein Experiment

Bier im alten Ägypten – Ein Experiment

2016 jährt sich das bayerische Reinheitsgebot des Bieres zum 500. Mal  – da in Bayern das Bier ja quasi eines der Grundnahrungsmittel darstellt, ist dies natürlich ein Grund zum landesweit Feiern!

Für uns im Ägyptischen Museum lag es nahe, uns diesem Jubiläum anzuschließen und dem Besucher zu zeigen, daß Bayern und Altägypter ganz ähnlich ticken – denn im alten Ägypten gehörte schon vor 5000 Jahren das Bier zu den Grundnahrungsmitteln, zum Lohn der Arbeiter und natürlich als Versorgung für die Verstorbenen im Jenseits!

„Ein Opfer, das der König gibt durch Osiris, den Herrn von Busiris, den Ersten der Westlichen, den großen Gott, den Herrn von Abydos. Er möge geben ein Totenopfer, (bestehend aus) Brot, Bier, Rind, Geflügel, Leinen und Alabaster, (sowie) alle guten (und) reinen Dinge…“

So lautet der einführende Text auf vielen Grabstelen aus dem alten Ägypten.

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Relief mit Bierbrauszene im Ägyptischen Museum München (c) Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, Foto: M. Franke

Wir wollten uns nun der Herstellung des ägyptischen Bieres widmen. Zwar sind wir durch viele Abbildungen über den Herstellungsprozess informiert, genaue Rezepte sind leider nicht überliefert.
Bier war im alten Ägypten eng mit der Brotherstellung verbunden. Braubrote wurden geformt, leicht angebacken, so daß sie im Inneren noch klebrig waren, sich außen aber schon eine Kruste gebildet hatte. Diese Braubrote wurden dann mit Wasser vermengt, die Flüssigkeit durch ein Sieb abgegossen und zum Gären stehengelassen.
Das war alles, was wir für unser Experiment an Vorgaben hatten. Ziel des ganzen war es, daraus ein kleines mediales Ereignis zu machen – live brauen sozusagen – und auch im Museum Gruppenführungen zum Bier mit anschließender Verkostung anzubieten. Es musste also eine genießbare Flüssigkeit hergestellt werden.

Das erste Experiment fand in meiner heimischen Küche statt. An Zutaten habe ich mich rein auf Gerste beschränkt. Die wurde auch im alten Ägypten schon angebaut.

„Nimm helle, reine, schöne Gerste (…) mahle die Körner und Bereite Brote, d.i. Malzbrote, indem du Sauerteig wie zu gewöhnlichem Brot hinzugibst; dann röste diese Brote, aber nur oberflächlich und wenn sie Farbe bekommen, so kläre ein süßes Wasser ab und seihe es durch einen Seiher oder ein feines Sieb (…)“
So schreibt Zosimos um 400 über das ägyptische Bier und das war meine Rezeptgrundlage.

Aus meinem eigenen vorhandenen Sauerteig habe ich einen Gerstensauerteig umgezüchtet. 100 Gramm von diesem Sauerteig habe ich mit 150 Gramm Gerstenmehl vermengt, 250 Gramm Gerstenmalz dazugetan und mit 300 Milliliter Wasser aufgegossen. Dieser Teig wird gründlich geknetet, zu flachen Fladen geformt und darf dann etwa 3 Stunden gehen.
Danach wird er bei 250° etwa 15 Minuten gebacken. Nachdem das Braubrot etwas abgekühlt aber noch warm ist, wird es zerbröselt und mit 3 Liter Wasser aufgegossen.
Gerste enthält relativ wenig Kleber – das führt dazu, daß einem das Braubrot schon fast in den Händen zerbröselt, wenn man es aus dem Ofen holt. Für ein normales Brot zum Essen ist es nicht sehr gut geeignet – zum Brauen aber ist es perfekt!

Ich habe dann das ganze nicht abgegossen, sondern es so stehen gelassen, mit der eingeweichten Brotmatsche drin, die relativ bald auf den Boden meines Braugefäßes gesunken ist.

Am nächsten Tag war vom Brot selber gar nichts mehr zu sehen, nur noch eine dunkle, fast schwarze, brotig riechende Flüssigkeit schaute mir entgegen. Noch einen tag später war die Farbe der Flüssigkeit umgeschlagen in ein goldgelb und die Hefe hatte ihre Arbeit aufgenommen. Die Flüssigkeit blubberte fröhlich und hörbar vor sich hin!

Ich habe das ganze dann eine Woche stehen gelassen, dann wurde die Masse abgeseiht. Das erwies sich als ziemlich schwierig, die Brotmatsche unten drin war ziemlich matschig und hat jedes Sieb zugesetzt, auch durch das Leinentuch, was wir verwendet haben, ging es nur ziemlich langsam und hat die ganze Nacht gedauert.

Das Ergebnis konnte sich aber durchaus sehen lassen. Es hat einen leicht säuerlichen Geschmack, brotig, fast zritronig. Schmeckt ähnlich wie Apfelessig. Für uns nicht wirklich bierig, aber in der altägyptischen Hitze durchaus erfrischend. Experiment geglückt!?

Im Prinzip schon, allerdings sind mir zwei weitere Ansätze umgekippt und schimmelig geworden.

Ich weiß bisher nicht, woran es lag. Oder was der alte Ägypter gemacht hat, wenn so etwas passiert ist, denn mit der Sauberkeit damals war es sicher auch noch nicht soweit her. Andererseits ist das natürlich auch das spannende an der Experimentalarchäologie 😉

Nichtsdestotrotz, das Prinzip funktionierte, wir konnten also unser Schaubrauen vorbereiten. Wir haben uns altägyptische Brautöpfe nachtöpfern lassen und uns entschlossen, das Experiment im historischen Ambiente nachzustellen – auf dem Bajuwarenhof Kirchheim. Warum dort? Nun, der geneigte Leser meines Blogs weiß, daß ich dort ehrenamtlich aktiv bin und den Lehmbackofen betreue. Dieser hat zwar keine direkten altägyptischen Entsprechungen, ist vom Backverhalten aber doch besser als ein moderner Elektrobackofen. Außerdem gibt es einfach schönere Bilder her, als wenn wir in der Museumswerkstatt gebraut hätten!

Die beiden Beiträge des Bayerischen Rundfunks, die dabei entstanden sind, sind am Ende des Beitrages verlinkt, auch ein kleiner Artikel aus der BILD-Zeitung ist dabei herausgekommen.

Alles in allem hat das Experiment gut geklappt, auf einige Schwierigkeiten sind wir aber doch gestoßen. Unser Sieb hat nicht funktioniert, es war zu engmaschig. Wir konnten die eingeweichte Masse also nicht direkt nach dem einweichen abseihen, wie wir es vorgehabt haben, sondern haben es dann doch im Brautopf stehengelassen. Zu transportieren war es nicht, weswegen es nach dem Ansetzen erst einmal eine Woche auf dem Bajuwarenhof stand – es war leider die Woche des Kälteeinbruchs – der Hefe hat das nicht gefallen und sie hat nicht viel gearbeitet. Nach einer Woche war die angesetzte Flüssigkeit immer noch dunkel und roch sehr brotig.

Wir haben das ganze dann abgeschöpft, den Bodensatz entsorgt (bis auf eine Probe, mal schauen, was ich damit noch anfangen kann) und Töpfe und Flüssigkeit ins Museum geschafft. Dort habe ich die Flüssigkeit nochmal in den Tontopf gegossen und ein paar Tage stehen gelassen. Die Hefe ist sofort aktiv geworden – Farbe ist umgeschlagen und es hat geblubbert. Ob es nun trinkbar ist und was der Geschmackstest sagt – wir sind gespannt!

…Fortsetzung folgt…

 

Zum Weiterlesen:

Artikel auf dem Blog der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern

Ancient (t)ales, der Blog von Menqt

Musealer Praxistest in der Mediathek des BR

Podcast „Ägyptisches Bier“, Sendung vom 25.4.16, bei Bayern 2

Video „Bierbrauen“ auf dem Multimediaguide des Museums

 

Bier-Termine im Museum

Gruppenangebot „Das Bier im alten Ägypten“ im Museum

So, 22.5.16, 13 Uhr: Vortrag „Das Bier der alten Ägypter“ von Barbara Link, M.A., im Rahmen des Internationalen Museumstages

Di, 30.5.16, 20 Uhr: Poetry Slam „Prosit!“ im Museum

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Grimms Märchen? Nicht für Kinder… – Unser Besuch in der Grimmwelt Kassel

Grimms Märchen? Nicht für Kinder… – Unser Besuch in der Grimmwelt Kassel

In dieser Woche bin ich mit Mann und Kind im Osterurlaub – zu Besuch bei der Familie in Kassel! Kassel ist ja seit jeher eine Museumsstadt und nicht zuletzt hat hier mit der Arbeit im Planetarium im Astronomisch-Physikalischen Kabinett und dem Praktikum in der Antikensammlung meine Museumskarriere begonnen!

Im letzten Jahr hat nun mit der Grimmwelt Kassel ein neues Museum eröffnet. Bis 2014 war das Brüder-Grimm-Museum im Palais Bellevue untergebracht, Neubau und Neukonzeption waren lange schon in Planung – ein Besuch des neuen Museums stand also für unseren Osterurlaub an oberster Stelle, zumal ich viel Lob über das Museum gehört hatte, die Architektur des Baus wurde mehrfach ausgezeichnet und nicht zuletzt liegt der Bau direkt gegenüber meiner ehemaligen Schule 😉

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Selbstverständnis der Grimmwelt Kassel

Das alte Brüder-Grimm-Museum hatte einen ganz eigenen, urigen Charme. Untergebracht im historischen Gebäude, ausgestattet mit Originalmöbeln und Dokumenten – einen Eindruck aus dem alten Haus kann man sich auf den Seiten der Brüder-Grimm-Gesellschaft verschaffen: Virtuelles Museum. Das neue wirkt schon von außen sehr modern. Der Bau ist toll, sehr beeindruckend, und fügt sich wunderbar in die Landschaft ein, wenn man von der Frankfurter Straße her auf den Weinberg schaut.
Die Neukonzeption des Museums orientiert sich nach Stichworten aus dem Deutschen Wörterbuch – anhand von insgesamt 25 Buchstaben wird der Besucher durch die Ausstellung geleitet. Insgesamt ist die Ausstellung in drei Themenbereiche gegliedert. Diese Konzeption wird dem Besucher gleich zu Beginn des Rundganges mitgeteilt und taucht auch in den Flyern auf.

Zusammengefasst und vorweg – mich hat der gesamte Besuch sehr enttäuscht. Meine Erwartungen an das Museum wurden in keinster Weise erfüllt. Ausgenommen davon die wirklich beeindruckende Architektur des Hauses – von außen, in Teilen auch von innen. Das macht schon wirklich etwas her, aber ein Museum lebt nicht vom Gebäude alleine und an der didaktischen Umsetzung des ganzen hapert es meiner Meinung nach leider gewaltig.

Da steht gleich zu Beginn einmal der Preis. 8 € Eintritt in die Dauerausstellung, noch einmal 5 € zusätzlich für die Sonderausstellung (die haben wir uns nicht angeschaut…), Kinder ab 6 Jahren kosten 6 € Eintritt. Immerhin gibt es eine Familienkarte für 20 €, aber trotzdem, ich finde die Preise ziemlich happig. Einen Tag mit verbilligtem Eintritt gibt es leider nicht, wobei das in allen Kasseler Museen so zu sein scheint. Vielleicht wäre das einmal eine Überlegung wert, so etwas einzuführen?

Es gibt eine App zur Ausstellung, die auch auf Leihgeräten mitnehmbar ist. An der Kasse wurden wir allerdings weder auf das eine, noch auf das andere hingewiesen. Ich habe mir die App im Nachgang aufs Handy heruntergeladen und festgestellt, daß sie nicht sehr hilfreich gewesen wäre. Nach einer kurzen gesprochenen Einleitung hat man die Übersicht über die 25 Stichworte zusammen mit einer kurzen Erklärung, die vermutlich in etwa dem Text in der Ausstellung entspricht. Kein Überblick über die Ausstellung, kein Grundrißplan oder Rundweg, keine tiefergehenden Informationen. Teile der Webseite mit Besuchsinformationen finden sich ebenfalls, allerdings läuft die App auch nicht stabil und muß immer wieder neu gestartet werden. Das hätte man sich auch schenken können. Positiv herauszustellen ist, daß es die App in verschiedenen Sprachen und auch in Blindendeskription und Gebärdensprache gibt – das ist wirklich toll!

Rundgangs-Flyer der Grimmwelt

Rundgangs-Flyer der Grimmwelt

Der Rundgang in der Ausstellung ist wie schon erwähnt nach Buchstaben / Stichworten geordnet, im Flyer auch wunderbar alphabetisch aufgelistet. Leider ist der Rundgang dann nicht alphabetisch, sondern von den Buchstaben her vollkommen willkürlich und beginnt auch noch bei „Z“. Nicht nur, daß man zunächst denkt, man wäre am Ende und sucht dann das „A“ (das es nicht gibt), auch sonst erschließt sich der Rundgang im Museum in keinster Art und Weise, so daß wir dann doch etwas ziellos durch die Ausstellung gegangen sind.

Der Rundgang selber beginnt mit der Arbeit der Grimms am Deutschen Wörterbuch – sicher von wissenschaftlicher Seite her ihr bedeutendstes Werk, aber leider sind sie nun vor allem für ihre Märchen bekannt. Die kommen erst relativ spät, ab dem Buchstaben „K“. Wir haben uns mit dem Kind (zur Orientierung, er ist fast 8 und durchaus museumserfahren) durch den Bereich Wörterbuch und Sprache – ja, leider – gequält. Die gesamte Ausstellung ist sehr sehr textreich, es gibt unglaublich viel zu lesen, aber leider nichts für Kinder. Das einzige, was er toll fand, war der Schimpfwort-Trichter – in den man ein Schimpfwort hineinrufen konnte und dann mit einem aus Grimms Zeiten bedacht wurde. Sicherlich spaßig, pädagogisch wertvoll? Nunja. Es gab eine Station, wo man neue Worte eintragen konnte. Sohnemann war nicht der einzige, der dort GRDDSDNNIKMLW eingetippt hat.

Schon hier in dem Bereich ist mir aufgefallen, daß alles sehr künstlerisch aufgebaut ist. Somit ist es optisch durchaus ansprechend, oftmals fehlt aber der inhaltliche Bezug oder es wirkt sogar überkünstelt, wenn man Märchentexte, die übereinander auf farbige Wände geschrieben sind, mit jeweils einer roten oder blauen Brille lesen kann (funktioniert auch nur eingeschränkt).

Was mir fehlt, war der rote Faden, der durch die Ausstellung führt, der einen von einem Punkt zum anderen begleitet und auch weiterleitet. Mich hat dort nichts wirklich gefesselt oder angeregt, mich mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Die Masse an Texten und Informationen hat mich schier erschlagen, andererseits standen manche Dinge recht lieblos und beliebig in der Gegend herum, ohne das ihnen ein Bezug gegeben wurde.

Ein Anspruch des Museums war es, kein Disneyland zu sein. Das haben sie erreicht und sind dabei leider auch weit über das Ziel herausgeschossen. Der Bereich der Märchen, die ja nun gerade der Bereich sind, mit dem man Kinder an die Welt der Grimms heranführen könnte, sind derart künstlerisch und wieder ohne Zusammenhang dargestellt, daß man spätestens jetzt jegliche Lust verliert. Ein nachgebauter Wald aus grünen Riesenborsten mit roten Lautsprechern, aus denen Wortfetzen dringen. Mitten im Wald eine Holzleiste, die zu einem Spiegel führt. Stellt man sich davor, bekommt man diverse Leute als Projektion im Spiegel gezeigt, die sich über Schönheit auslassen. Eine Sitzbank, auf die man sich niederlassen kann und dann selber in ein Diorama hineinprojiziert wird, wo sieben ziemlich alberne Zwerge hineintanzen. Ein kleiner Filmraum, wo Rumpelstilzchen von verschiedenen Personen erzählt wird, leider immer wieder auch durch fremdsprachliche Einschübe unterbrochen, so daß man total den Faden verliert. Ein steriles weißes Häuschen, in dem ein halbrunder Lederball ist, den man schubsen kann. Es erklingt Geschrei. Soll wohl die Hexe von Hänsel und Gretel sein, die man ins Feuer schiebt. Ein weiters Häuschen mit der Projektion der Großmutter auf einem Bett, die sich dann in den Wolf verwandelt. Beängstigend. Ein Kinosaal, wo frei zusammengestellt Ausschnitte moderner Märchenverfilmungen zu sehen sind, mehrere nebeneinander und immer wieder wechselnd. Das alles diesmal OHNE große Erklärungen. Sehr künstlerisch, sehr sinnfrei und in keinster Weise kindgerecht oder auch für Erwachsene interessant.

Nach diesem so enttäuschenden Teil habe ich schon fast aufgegeben. Durch den Rest bin ich nur noch durchgeschlendert. Ging um die Grimmsche Familie, das politische Engagement und zum Schluß wurden noch ein paar Möbel gezeigt. Nicht schön arrangiert, sondern zusammengepresst in einer Vitrine daß es aussah, wie eine bessere Rumpelkammer. Schade!

Würde man sich mit dem Wirken der Grimms auf wissenschaftliche Weise auseinandersetzen wollen, hätte man sich vielleicht auch schon mit ihnen beschäftigt und würde sich viel, viel Zeit und Geduld mitnehmen, dann wäre das Museum eventuell interessant. Für den Museumsbesucher wie mich, der begeistert werden möchte für ein Thema, der entdecken und staunen und ja, auch unterhalten werden will, ist dieses Museum leider nichts. Und auch Kinder und Jugendliche wird man so nicht für die Märchen und nicht für das andere, durchaus bedeutende Wirken der Brüder Grimm begeistern können. Das ist sehr schade, denn gerade mit den Märchen hätte man doch einen wunderbaren Bezug zur Lebenswelt der Kinder und könnte sie ausgehend davon mit der Person der Grimms und der Entstehung der Märchen in Kontakt bringen. Dazu aber müsste man etwas vom hohen Roß der künstlerischen Vermittlung herunterkommen und vielleicht doch ein klein wenig inszenieren und disney-isieren, um den Zauber der Märchenwelt einzufangen. Denn gerade die Kinder sind es doch, die wir als Museumsmacher haben wollen. Gerade die Kinder, wollen wir doch nicht mit einer langweiligen, hochmodernen Darstellung von der Institution Museum abschrecken. Die Kinder sind unsere zukünftigen Besucher und die wollen wir doch haben!

Also, liebe Grimmwelt – da ist noch viel zu tun. Apps, Führungen und künstlerische Installationen reichen da leider nicht aus. Was macht eigentlich eure Museumspädagogik? Bietet ihr Ferienaktionen an? Kindergeburtstage? Ich habe bisher auch da nur stylishe Events mit Feierabendgetränk gefunden aber nichts „Handfestes“. Wirklich schade.

Ein paar weitere Eindrücke in Bildern (und nicht wundern, wenn da ein Yoshi auf dem Bild ist…er begleitet uns öfters durch Museen):

Das war mein Eindruck.

War denn jemand von meinen geneigten Lesern schon in der Grimmwelt in Kassel? Wie seht ihr das Museum?

#12von12 im Februar

#12von12 im Februar

Schon wieder ein ganzer Monat rum! Schon wieder Zeit für #12von12 – 12 Bilder, die den Tag dokumentieren.

Kommt mit und geht mit mir durch den Tag! 

Eine Übersicht über alle Teilnehmer von #12von12 gibt es bei Draußen nur Kännchen!

Heute in Begleitung… #2von12 #12von12

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Halbzeit! Mittagessen! #6von12 #12von12 #mcdonalds

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Auf nach Hause….endlich! #9von12 #12von12

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Das war es dann wieder für heute….wir sehen uns wieder im März zum nächsten #12von12

Mumien-Pornographie?

Mumien-Pornographie?

Es ist schon einige Jahre her, da prägte Prof. Dietrich Wildung, damals noch Leiter des Ägyptischen Museums in Berlin, anlässlich einer Mumien-Ausstellung in Mannheim das Wort „Mumien-Pornographie“. Das Interview kann noch bei Deutschlandradio Kultur nachgelesen werden.

Daß ich jetzt wieder daran denken muß, liegt am Roemer-Pelizaeus-Museums Hildesheim, wo ab Februar die Ausstellung „Mumien der Welt“ zu sehen sein wird. Die Ausstellung wird medial reichhaltig begleitet, immer wieder stolpere ich bei Facebook über entsprechende Ankündigungen und Berichte. Neben Mumien aus aller Welt werden dort – natürlich – auch altägyptische Mumien gezeigt werden.

Ich bin keine Freundin der Mumienpräsentation und stimme mit Herrn Wildungs Ansicht überein – altägyptische Mumien sind nichts, was öffentlich gezeigt werden muß – davon abgesehen auch keine anderen Mumien oder sonstwie präparierte Körper, aber der Fall Altägypten ist ein ganz spezieller.

Wir haben im Museum natürlich auch immer wieder Kinder, die fragen „Habt ihr Mumien, ich will Mumien sehen!“ Eine gewisse Sensationsgier steckt schon hinter dieser Frage. Mein Papa war früher Polizist, da kam eine ganz ähnlich geartete Frage: „Hast Du eine Waffe? Hast Du damit schon mal jemanden erschossen?“ Tja, nun.
Wenn man bei unseren Museumskindern dann mal genauer nachfragt, was sie denn an den Mumien so spannend finden, kommt oft die Antwort: „Die sind so schön bunt.“ Das hat uns zunächst stutzig gemacht, denn Mumien sind, wie wir wissen, so gar nicht bunt, sondern eher braun-grau. Einiges Nachdenken hat uns dann dazu geführt, daß die Kinder nicht die Mumien, sondern die SÄRGE meinen – die sind in der Tat wunderschön und bunt bemalt!

Dezente Mumienpräsentation (c) Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, Foto: M. Franke

Dezente Mumienpräsentation
(c) Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, Foto: M. Franke

Auch in der neuen Dauerausstellung bei uns im Ägyptischen Museum in München verzichten wir auf die Präsentation von Mumien – wir erklären dies mit einer Fahne „Mumien-Tabu“. Eine Ausnahme machen wir mit unserer Kindermumie – zum einen, weil wir natürlich in Führungen über Mumien sprechen (müssen!) und ein Objekt als Anknüpfungspunkt ist immer gut. Zum anderen können wir das bei gerade dieser Mumie noch guten Gewissens tun, denn sie ist noch vollständig eingewickelt und der Mensch darin nicht zu erkennen. Trotzdem, wenn man mit einer Gruppe Kinder vor dieser Mumie sitzt, und sie eben noch ganz begierig danach gefragt haben, sind sie nun ganz zurückhaltend. „Und da ist wirklich noch jemand drin?“, „Aber die ist doch nicht echt, oder?“ wird dann oft gefragt. Diese natürliche Scheu vor den Verstorbenen sollten wir uns auch als Erwachsene erhalten und nicht nach dem „wohligen Schaudern“ suchen. Wir sollten den Mumien mit Respekt gegenüber treten, sie nicht begaffen, sondern ihre Würde bewahren und vor allem nie vergessen: Es war einmal ein lebendiger Mensch, der da vor uns liegt, mit seinen ganz eigenen Ansichten, Träumen und Wünschen und ob dazu gehörte, Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende nach seinem Tod als Ausstellungsobjekt in einem Museum gezeigt zu werden, das wage ich zu bezweifeln.

Mumien-Tabu

Mumien-Tabu

Und damit sind wir auch gleich schon bei den altägyptischen Mumien. Wir sollten uns immer vor Augen führen, was die Mumie für den Ägypter bedeutet hat. Der künstlich haltbar gemachte Körper war nämlich sein Garant für das ewige Leben im Jenseits. Diese ewige jenseitige Existenz in den Gefilden der Seligen war an gewisse Bedingungen geknüpft.
Mit dem Tod, so glaubten die Ägypter, löste sich die Ba-Seele vom Körper. Der Körper blieb im Diesseits in seinem Grab zurück, der Ba ging ein ins Jenseits (sofern der verstorbene das Jenseitsgericht überstand, aber das ist eine andere Geschichte…). Das Paradies im jenseits war aber nicht ohne Tücken – man musste für seinen Lebensunterhalt sorgen und arbeiten! Um dem zu entgehen, oblag es den Hinterbliebenen, ihre verstorbenen Vorfahren im Jenseits zu versorgen. Dies geschah zunächst durch die Grabbeigaben, dann durch Opfer, die beim Besuch des Grabes mitgebracht wurden, später – wenn es keine Hinterbliebenen mehr gab – durch die Opferlisten und Darstellungen von Gütern auf den Grabwänden.
Die Seele musste zum Empfang dieser Opfer aber immer wieder in ihr Grab zurückkehren. Dies ging nur, solange dort noch der unversehrte Körper lag. Der Körper war für die Seele so etwas wie ein Leuchtturm, mit dem sie ihr Grab im Diesseits ausfindig machen konnte. Natürlich setzte man alles daran, den Körper so lange wie möglich haltbar zu machen – eben durch die Mumifizierung!

Die Ba-Seele, dargestellt als Vogel mit menschlichem Kopf

Die Ba-Seele, dargestellt als Vogel mit menschlichem Kopf

Wenn nun der Körper verging oder aus seinem Grab entfernt wurde, so fand die Seele ihr Grab nicht mehr und ihre ewige Existenz im Paradies war damit beendet.
Und nun schauen wir uns einmal um, wieviele altägyptische Mumien sich in den Museen der Welt befinden! Wusstest du, daß man aus Holzmangel in Ägypten mit den schönen trockenen Mumien die Eisenbahn angeheizt hat? Mumien wurden kleingemahlen und in Apotheken als Medizin verkauft! Aus kleingemahlenen Mumien hat man auch Malfarbe hergestellt. Im viktorianischen England lud man zur Teegesellschaft mit Höhepunkt der Auswicklung einer echten Mumie.

Jede dieser Mumien ist eine in Ewigkeit verdammte altägyptische Seele, der wir das Weiterleben im Jenseits genommen haben. Und nun viel Spaß beim Mumien-Gucken.

Die Würde eines Menschen ist unantastbar, auch und gerade nach seinem Tod.

 

#12von12

#12von12

Endlich! Endlich habe ich es mal geschafft, an #12von12 zu denken….immer habe ich es verpasst, aber heute dank meines Kalendereintrages dran gedacht!

Bei #12von12 geht es darum, immer am 12. eines Monats genau 12 Bilder zusammenzustellen und zu posten. Meistens wird damit der ganz normale Alltagswahnsinn dokumentiert. Eine Übersicht über alle Teilnehmer gibt es bei Draußen nur Kännchen!

Hier habt ihr also nun meine 12 Bilder und meinen Tag (auch wenn er ja jetzt um 18 Uhr noch lange nicht zu Ende ist *g*):

…ein kleiner Einblick in den Alltag einer Working-Mum, die eigentliche Arbeit beginnt ja erst jetzt 😉 Spülmaschine läuft, eigentlich warten da auch noch Berge von Wäsche, die weggeräumt werden wollen…Mann und Kind bespaßen, Brotboxen für morgen vorbereiten, eigentlich wollte ich auch noch ein wenig an meinem Projekt weiterschreiben….und ihr wollt nicht wissen, wie die Küche aussieht 😉

In diesem Sinne…bis zum nächsten #12von12!

Und wie war Dein Tag so?

Es weihnachtet….

Es weihnachtet….

…auch hier im Blog und natürlich auf altägyptisch – denn wie wir schon wissen: Wer hat’s erfunden? Die alten Ägypter natürlich!

Gestern beim Abschied im Hort fragte mich eine Erzieherin, wie man denn in Altägypten Weihnachten gefeiert hat – da hat man doch bestimmt Palmen geschmückt, oder? Darauf blieb mir erstmal nicht viel zu sagen.

Aber was hat Weihnachten denn nun mit Altägypten zu tun? Mehr als man denkt, denn vieles im christlichen Glauben basiert auf altägyptischen Vorläufern. Wenn man jemandem einen neuen Glauben näher bringen und ihn bekehren will, dann baut man auf bekanntes auf und sagt nicht, daß alles alte Müll war und jetzt ist alles ganz anders!

So basiert das Bild der Maria lactans auf der Darstellung der Göttin Isis mit dem Horuskind auf dem Schoß.

In vielen frühchristlichen Darstellungen findet sich das altägyptische „anch“-Zeichen als Kreuz verwendet und auch die Vorstellung der Wiederauferstehung ist altägyptisch: Osiris, der von seinem eifersüchtigen Bruder Seth umgebracht wurde, um dann von seiner Ehefrau Isis wieder zum Leben erweckt zu werden.

Anlehnungen an Weihnachten finden sich in der sogenannten „Geburtslegende“, die sich mit Darstellungen unter anderem im berühmten Tempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari findet, aber auch schon in den Erzählungen des Alten Reiches im Papyrus Westcar anklingt. Eine menschliche Frau gebärt den von Gott gezeugten neuen König. Gut, es fehlt uns der ganze Kram mit der jungfräulichen Geburt – wobei das mit den ganzen frühen Bibelübersetzungen ja nun auch durchaus nur ein Übersetzungs- und Interpretationsfehler sein könnte: junge Frau = Jungfrau und eben nicht biologisch gesehen…

Vor einigen Jahren haben wir die Geburtslegende für unseren Kindernewsletter zusammengefasst. Ich möchte sie heute hier einmal zitieren.

Die altägyptische Geburtslegende

In der Vorstellung der Ägypter hatte ihr König, der Pharao, eine menschliche Mutter und einen göttlichen Vater, er war also Mensch und Gott zugleich. Seine Mutter war die „Große Königliche Gemahlin“ des regierenden Herrschers – also die Königin; sein Vater war der höchste der Götter, der Götterkönig Amun. In vielen Tempeln ist die Geschichte der Abkunft des ägyptischen Königs in den Reliefs an den Wänden dargestellt worden.

(mit Dank an Frau Dr. Schoske, Chefin des Ägyptischen Museums München, die diese Texte für unseren Kindernewsletter geschrieben hatte)

Es sind doch also einige Parallelen zu den christlichen Vorstellungen zu erkennen, inklusive Verkündigung durch einen Götterboten. Und auch das Erschaffen des Menschen aus Ton findet sich ja in der Bibel wieder.

Die Liste ließe sich noch ein wenig länger fortführen, dazu vielleicht ein anderes Mal. Für heute wünsche ich allen treuen und neuen Lesern fröhliche Weihnachten, ob christlich oder vom Konsum geprägt, ob gefeiert wird oder nicht, trotzdem eine schöne Zeit – vielleicht ja doch mit der ein oder anderen geschmückten Palme?

#MunichInstaSwap

#MunichInstaSwap

Am vergangenen Wochenende war es soweit – es fand der erste #MunichInstaSwap statt. Doch was ist das eigentlich?

Ein Swap ist zunächst einmal die Bezeichnung für einen Tausch, Insta ist die Bezeichnung für die Plattform, auf der das Ereignis stattgefunden hat: Instagram. Und Munich für München!

Bei diesem Tausch wurden zwei Kultureinrichtungen per Losverfahren miteinander verpaart, besuchten sich gegenseitig und berichteten via Instagram von ihren Eindrücken. Ähnliche Aktionen hatten auch schon Ende November in Hamburg(#museumswaphamburg) und im August in London (#museuminstaswapstattgefunden. Die Idee, so etwas auch in München stattfinden zu lassen entstand spontan in einer Twitterdiskussion, schnell erklärten sich die Kulturkonsorten bereit, das ganze zu organisieren und schon fanden sich die ersten Teilnehmer.

Schlußendlich wurden es 10 Kulturinstitutionen – im Gegensatz zu Hamburg und London war das Teilnehmerfeld nicht nur auf Museen beschränkt, was spannende neue Einblicke und Eindrücke brachte – und die endgültigen Paarungen wurden Anfang Dezember verkündet.

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Uns, dem Staatliche Museum Ägyptischer Kunst, wurden die Pinakotheken zugeordnet – die ja dankenswerterweise uns räumlich direkt gegenüber liegen und deren Social-Media-Chefin Antje Lange auch schon bei verschiedenen Aktionen bei uns zu Gast war. Der #MunichInstaSwap sollte am Wochenende 5./6. Dezember stattfinden – doch braucht so eine Aktion auch eine gewisse Vorbereitung, so daß Antje und ich zunächst einmal Informationsmaterial in Form von Katalogen und Presseinfos zu den Häusern austauschten und dann die gegenseitigen Besuche vereinbarten – ich war am Donnerstag Nachmittag in den Pinakotheken (Neue und Alte), Antje kam am Freitag zu uns ins Museum.

 

Wie geht man das Ganze nun an? Worüber sollten wir als Ägyptisches Museum in den Pinakotheken berichten? Was würden die anderen machen? Das wurde offen gelassen, jeder konnte seinen eigenen Schwerpunkt wählen.

Beim Blättern in den Katalogen der Pinakotheken schaute ich – naturgemäß und ganz automatisch – nach Aegyptiaca in den Gemälden und versuchte, darüber Anknüpfungspunkte zu unserem Haus zu finden. Einiges lag ganz klar auf der Hand:

Bei anderen Bildern habe ich auf spontane Assoziation gesetzt:

Manche Ideen hat unser Praktikant Christoph, der uns beim Rundgang begleitet hat, geliefert – das hätte ich ganz übersehen!

Und ich muß ja zugeben – trotz räumlicher Nähe, einer doch gewissen Kulturaffinität und schon seit 10 Jahren in München war es mein erster Besuch in der Neuen Pinakothek – wie peinlich. Habe aber beschlossen, daß Mann und Sohn demnächst mal bei einem privaten Besuch mitkommen dürfen und wir uns das ganze Museum in Ruhe anschauen – denn an einem Nachmittag durch zwei große Häuser zu laufen ist doch schon ganz schön anstrengend – die Pinakothek der Moderne und die Sammlung Schack haben wir gar nicht mehr geschafft, aber ich hatte auch so schon genügend Inspiration gefunden und habe am selben Abend noch rund 40 Postings vorbereitet und geschrieben.
Das ganze Wochenende bedurfte einiger Organisation im Hintergrund, denn am Samstag fand bei uns im Museum noch eine Veranstaltung aus der Reihe „Altägyptische Literatur“ statt, bei der ich am Nachmittag noch einen Vortrag halten und alles vorbereiten durfte, abends hatten wir Konzertkarten und Sohnemann übernachtete bei einer Freundin, am Sonntag hatte ich ihm versprochen, daß wir nachmittags ins Kino gehen und ein Nachteil von Instagram ist, daß man keine Postings vorbereiten kann, sondern immer „live“ die Beiträge abschicken muß – war spannend 😉

Am Freitag Nachmittag stand der Besuch unseres Hauses auf dem Plan – nun sind wir wesentlich kleiner als die Pinakotheken und so konnten wir bei uns noch viel mehr hinter die Kulissen schauen – wir haben die Magazine und das Lager besucht und wirklich in fast jeden Raum hineingeschaut. Das hatte zur Folge, daß wir bei uns genauso lange unterwegs waren wie in den beiden Pinakotheken, jeweils etwa 3 Stunden und wo gegen Ende des Besuches in den Pinakotheken bei mir aufgrund der Fülle der Bilder einfach auch die Aufmerksamkeit nachgelassen hat, mussten wir beim Gegenbesuch in unserem Haus zum Schluß ordentlich Tempo geben, um auch alles zu schaffen. Ich glaube, wir hätten an den Besuch noch mindestens 2 Stunden dranhängen können, wenn es gepasst hätte – auf jeden Fall war es spannend zu sehen, was die Pinakotheken am Wochenende als Ergebnis des Besuches gepostet haben!

Alles in allem haben mir die Besuche und die Aktion am Wochenende sehr viel Spaß gemacht – ich hoffe, daß ein solcher InstaSwap bald wiederholt wird und bin gespannt, bei welchem Partner wir dann schauen dürfen!

Wer die ganze Aktion noch einmal nachlesen möchte, der kann dies bei Storify tun:

#MunichInstaSwap

Pinakotheken und Ägyptisches Museum

Auch bei den Kulturkonsorten gibt es einen

Rückblick auf den #MunichInstaSwap

Hier findet man uns bei Instagram:

Ägyptisches Museum

Pinakotheken

 

Hast Du den #MunichInstaSwap live verfolgt? Wie hat Dir die Aktion gefallen? Und in welchen Social Media bist Du unterwegs? Wie immer freue ich mich über Rückmeldung!