Frust, Ideen, Kreativität – Pfingstferienaktion im Museum

Manchmal kommt alles anders, als man es plant oder sich vorstellt, doch diesmal war es schon besonders heftig und ich (fast) ratlos.

Seit immerhin schon 1982 bieten wir vom Ägyptischen Museum in den Ferien Aktionen für Kinder an. Zunächst beschränkte sich das auf die große, vierwöchige Sommerferienaktion, seit 2008 haben wir das ganze aber auch auf die Oster-, Pfingst- und Herbstferien ausgeweitet, in diesem Jahr auch auf die Faschingsferien. Mal bieten wir nur eintägige Kurse an, mal auch etwas über mehrere Tage, traditionell an Ostern und Pfingsten. Von den Besucherzahlen früherer Tage, wo wir mit unserem Angebot allein auf weiter Flur standen, können wir heute nur träumen. Damals hatten wir manchmal bis zu 50 Kinder am Tag! Mit dem immer vielfältiger werdenden Angebot der Kinder-Freizeit-Gestaltung hat sich das geändert. Natürlich ebenso dadurch, daß wir jetzt zusätzlich auch in den anderen Ferien präsent sind und sich nicht alles auf den Sommer konzentriert. Früher waren unsere Angebote ganz frei, man konnte ohne Anmeldung einfach so kommen – etwas, das man heute nicht mehr machen kann, denn dann sitzen wir – erfahrungsgemäß – alleine da. Man muß sich inzwischen also anmelden, wenn man an unseren Angeboten teil nehmen will – doch auch das ist noch keine Garantie, daß die angemeldeten Kinder dann auch wirklich kommen, wie wir bei unserer letzten Aktion feststellen mussten.

Die diesjährige Pfingstferienaktion in der ersten Ferienwoche stand unter dem Motto „Ramses – Sonne Ägyptens“. Wie auch schon in früheren Jahren wollten wir einmal wieder ein Theaterstück einüben. Damit wir für die Aufführung auch entsprechendes Publikum hatten, war als letzter Tag, als Premiere, der Internationale Museumstag angesetzt. Soweit, so gut. 14 Kinder hatten sich angemeldet, damit hätte man arbeiten können. Am ersten Tag erschienen….3 Kinder. Eine davon gleich mit der Mitteilung, daß sie zur Aufführung aber nicht da ist. Etwas später kamen noch zwei Nachzüglerinnen, die beide so gut wie kein Deutsch und auch nur am ersten Tag mitmachen konnten.

Das war für mich der Moment, wo ich in der Tat auch erstmal etwas sprach- und ratlos da saß. Die Ferienaktion war angesetzt für 4 Tage, jeweils 4 Stunden lang – man braucht ja Zeit zum Üben, Kulissen erstellen, Kostüme basteln. Und jetzt? Hatte ich zweieinhalb Kinder. Für ein Theaterstück, bei dem ich mindestens 10 gebraucht hätte. Was tun? Ich war an dem Morgen wirklich kurz davor hinzuwerfen und die Kinder wieder nach Hause zu schicken. Kann man ja aber auch nicht machen, schließlich hatten sich die, die da waren schon so gefreut. Ziemlich sauer bin ich immer noch auf die Eltern, die ihre Kinder zu so etwas anmelden und dann einfach nicht erscheinen und sich noch nicht einmal abmelden oder auch nur entschuldigen. Das ist so ungerecht denen gegenüber, die da sind!

Tja, da ich ziemlich gefrustet war und echt nicht wußte, was tun, habe ich die Entscheidung den Kindern überlassen und wir haben das Problem in „großer“ Runde diskutiert. Wir haben nach Alternativen gesucht, wie wir doch mit zu wenig Mitspielern unser Theaterstück einüben können. Ein Puppentheater wurde in die Runde geworfen. Braucht man aber auch ziemlich viele Puppenspieler. Schließlich kam die Erleuchtung – wir drehen einen Film! Aber nicht mit Schauspielern, sondern mit:

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Playmobilfiguren! Die ganze Ägypten-Kollektion inklusive Tempel, Sphinx und Pyramide ist im Museum vorhanden und daß man Theaterstücke gut mit Playmobilfiguren nachstellen kann, weiß ich dank meines ehemaligen Schulkameraden Michael Sommer, der mit Sommers Weltliteratur to go recht erfolgreich ist. Die Kinder sprangen sofort darauf an und so verging der erste Tag wie im Fluge, indem die Figuren sortiert und Rollen verteilt wurden. Es wurde überlegt, was noch fehlt (ich habe zu Hause natürlich auch alles und konnte aufstocken…) und wie wir das ganze dann umsetzen. Eine ehemalige Museumspraktikantin war ebenfalls während der Aktion dabei und konnte ab dem dritten Tag eine Videokamera stellen (Danke, Louisa!!!). Erste Kulissen wurden gemalt und Stellproben gemacht.

Am zweiten Tag wurden erste Probeaufnahmen mit meiner Handykamera gemacht. Wir überlegten, wer wo stehen muß, es wurde hin und hergeschoben, daß auch alles ins Bild passt, an manchen Stellen musste noch der Text angepasst werden und es mussten natürlich auch die Sprechrollen auf unsere Kinder verteilt werden. Manche ägyptische Namen waren echte Herausforderungen: User-Maat-Re-Setep-En-Re, der Thronname Ramses‘ II. Und wie spricht man Neith, Ptah und Seth aus? Und es wurde auch noch eine Szene ergänzt, die im ursprünglichen Theaterstück nicht vorkam – die Kinder wollten unbedingt die Schlacht von Kadesch nachstellen!

An Tag 3 und 4 wurde richtig gefilmt, manche Szenen mussten mehrfach gedreht werden, irgendwas klappt immer nicht und wenn es der Nieser ist, der mitten in den gesprochenen Text platzt oder die Figur, die umfällt oder nicht richtig im Bild steht oder der verpasste Einsatz. Die Einführung musste gedreht werden und natürlich sollten – zur Orientierung für den Zuschauer – zu Beginn noch alle Schauspieler vorgestellt werden. Für mich hieß es aber auch, daß aus all den Videoschnipseln am Ende natürlich auch ein Film werden sollte – ich habe mich mit der Bearbeitung von Videos bisher nicht auseinander setzen müssen, aber das ist ja auch das schöne an meinem Job: auch ich lerne jeden Tag immer wieder dazu 🙂

Den fertigen Film mussten wir uns dann natürlich auch mehrfach anschauen, ob noch etwas fehlt, ob alle Übergänge richtig sind – und immer noch mussten einige Szenen nachgedreht und eingefügt werden.

Das Ergebnis kann sich danke ich durchaus sehen lassen und zur Filmpremiere am Internationalen Museumstag am Sonntag hatten wir immerhin 25 Zuschauer (nicht viel, aber der Tag war eh sehr schwach besucht – das Wetter war zu schön) und stolze Kinder. Alles in allem war es für mich die tollste Ferienaktion, die ich in den zwölf Jahren am Museum je gehabt habe. Die Kinder waren so selbständig, kreativ und mit Feuereifer bis zum Schluß konzentriert dabei, wirklich ganz prima, wenn man den schlechten Anfang bedenkt. Danke Laura, Marthe und Henrik für eure tolle Arbeit!

Ich will euch unser Endprodukt natürlich nicht vorenthalten – hier ist er, der Film „Ramses – Sonne Ägyptens“:

 

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3 Kommentare zu “Frust, Ideen, Kreativität – Pfingstferienaktion im Museum

  1. Liebe Roxane,

    das liest sich soo klasse! Zuerst dachte oha … das ist heftig, das wandelte sich schnell zu grandios! Mini und ich haben etwas verpasst. Mini im Machen und ich hätte eine sehr zufriedene Kleine gehabt.

    Bitte ping mich doch mal auf Twitter an, wenn ihr wieder so etwas Tolles wieder macht. Wie alt waren denn die Kinder? Schon irgendwie traurig, dass so wenige mitmachten, um so schöner finde ich das Ergebnis!

    Herzlich,
    Tanja

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    • Liebe Tanja, ich werde an euch denken 🙂 Die Kinder waren 10-12 Jahre alt…normalerweise schreib ich unsere Ferienaktionen immer ab 7 Jahren aus – hier wegen des doch recht hohen Anspruchs erst ab 10 Jahren. Wird aber mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein…ich habe von früheren Aktionen noch genügend Theaterstücke zum Verfilmen auf Halde 😉 Vielleicht im Herbst!

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  2. Pingback: Vinzenz on Tour – Tag 1 im Ägyptischen Museum – Arbabat

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