Heute schon geschrieben?

IMG_20151230_154003Wenn Frau Hillebrand das fragt, dann kann ich heute mit gutem Gewissen sagen: Ja, habe ich!

Zunächst einmal darf ich mich bei Ihnen bedanken, liebe Frau Hillebrand, für die spannende Zusammenarbeit bei Ihren Projekten und natürlich auch für die Bücher: „Heute schon geschrieben?“, Band 1 und 2, die ich jetzt hier liegen habe und durcharbeite!

Ich schreibe schon lange, eigentlich schon, seit ich schreiben kann. Mein erstes selbst produziertes Buch, ein Märchen von einem Indianerjungen und einer großen Schlange, war liebevoll selbst gemalt und aus A4-Blättern zusammengetackert. Vielleicht fliegt es noch irgendwo auf dem Dachboden meiner Eltern herum. Seitenweise, bücherweise handgeschriebene Romanfragmente aus meiner Jugendzeit. Immer wieder weitergeschrieben, überarbeitet, verändert und doch nie fertig gestellt. E-Mail-Rollenspiele, Ausarbeitung von Charakteren, Ausdenken von Abenteuern und Geschichten zusammen mit anderen.

Aufzeichnungen aus Jugendtagen...

Aufzeichnungen aus Jugendtagen…

Und letztendlich ist ja auch dieser Blog nur dadurch entstanden, daß ich regelmäßig schreiben und veröffentlichen wollte. Ein Grund also, dranzubleiben. Bis jetzt klappt es ja ganz gut und mit Frau Hillebrands Buch habe ich jetzt noch die zweite Motivation und vielleicht gibt es ja doch mal irgendwann ein fertiges Manuskript, daß ich in Händen halten kann.

Aber: dazu gehört die Übung und deswegen habe ich mir das regelmäßige Schreiben verordnet. In „Heute schon geschrieben?“ sind auch viele praktische Übungen drin. An einigen dieser (manchmal nur fragmentarischen) Ergebnisse möchte ich euch gerne teilhaben lassen – denn was ist ein Schreiberling ohne seine Leser? Und vor allem – ohne den Rücklauf seiner Leser?

Deswegen freue ich mich natürlich wie immer über eure Kommentare! Doch hier nun die ersten Ergebnisse meiner Übungen!

Schreibübung – Ortswechsel

Schreiben an unterschiedlichen Orten ist inspirierend. Bevor ich mich aber mit dem Laptop unter dem Arm auf die Reise mache, habe ich mich zunächst einmal gedanklich an einen anderen Ort versetzt:

Selma saß auf der Düne und ließ ihren Blick über die unendliche Fläche des Meeres schweifen. Ein leichter Wind wehte zu ihr herüber und brachte den frischen Duft klarer, kalter, salziger Luft mit sich. Sie schauderte kurz, sog den Wind tief ein und kuschelte sich noch enger in ihre warme Jacke. Hinter sich hörte sie das Kreischen der Möwen, neben sich ein leichtes Rascheln im hohen Gras. Vielleicht ein kleines Tier?

Sie zog die Knie noch enger an den Körper und machte sich ganz klein, so als ob sie mit der Natur um sich herum verschmelzen wollte. Einfach abschalten und den Kopf durchpusten lassen, das war das Beste, was ihr jetzt passieren konnte.

Noch einmal atmete Selma ganz tief und bewusst ein, dann ließ sie ihre Knie los, streckte sich, löste ihren Zopf, schüttelte die langen roten Haare aus und stand auf. Sie stellte sich direkt in den Wind, auf den höchsten Punkt der Düne und die stärker werdenden Böen spielten mit ihren Haaren. Nicht weit entfernt konnte Selma die ersten Regenschauer erkennen, die über dem Meer niedergingen. Jetzt wäre es an der Zeit zu ihrer Unterkunft zurückzukehren, sonst würde sie mit Sicherheit durchnässt werden und eine Erkältung war das letzte, was sie jetzt gebrauchen konnte. Aber egal! Selma lachte laut auf, breitete die Arme aus, wie um die Regentropfen zu empfangen und gab sich ganz dem Wind und Regen hin. Sie war frei. Endlich.

Schreibübung – Abtauchen in die eigene Kindheit

Ziel dieser Übung ist es, Sequenzen aus der Kindheit, die einen berührt haben, wieder aufleben zu lassen.

Gerüchte

In der Kindheit wimmelt es von Gerüchten. Jeder will immer irgendwas spannendes, neues, aufregendes gehört haben und muß es den anderen mitteilen. Das reicht vom Mörder, der sich auf dem Schulklo der Grundschule versteckt, bis zum großen Bruder, der heldenhafte Taten vollbringen kann.

Bei uns im Kindergarten hielt sich damals das hartnäckige Gerücht, wenn Elternabend gewesen war, daß dann am nächsten Morgen Schätze im Sandkasten versteckt waren – was Eltern halt so tun im Kindergarten…

Sobald wir also hinaus auf den Spielplatz durften, wurden die Schaufeln gezückt, der Sandkasten in Areale aufgeteilt und wild gegraben. Was wir uns für Schätze erwarteten? Ich weiß es nicht. Aber nachdem tatsächlich einmal ein Kind eine in Goldpapier verpackte Schokokugel im Sandkasten gefunden hatte, gab es für uns natürlich kein Halten mehr. Immer wieder, nach jedem Elternabend.

 

Spurensucher

Wie lernen Kinder? Indem sie forschen und entdecken und Abenteuer erleben. Auch ich war eine große Forscherin. Das erste Mal im Kindergarten, mit meiner Freundin Julia, als wir beschlossen, auf Maulwurfsuche zu gehen. Die Wiese vor unserem Kindergarten war übersät mit Maulwurfshügeln. Der Erbauer mußte dort irgendwo stecken! An einem heißen Sommertag also, das Gras war braun, die Erde rissig und ausgetrocknet, nutzten wir unsere Spielzeit, nahmen uns Eimer und Plastikschaufel und fingen an, auf der Wiese einen Maulwurfshügel aufzugraben. Immer tiefer, den Gang entlang, er konnte ja so weit nicht sein! In meiner Erinnerung saßen wir den ganzen Nachmittag in der Sonne und gruben und buddelten und schafften Erde weg. Und? Haben wir den Maulwurf gefunden? Aber natürlich! Wir haben so weit gegraben, daß wir sein Hinterteil und sein kurzes Schwänzchen gerade noch entwischen sahen!

Nach diesem Erfolg blieb der Forscherdrang ungetrübt und setzte sich in der Schule fort. Diese lag in unmittelbarer Nachbarschaft des Kindergartens und zwischen den beiden Gebäuden gab es herrliche große und tiefe Gebüsche und Bäume, in denen man klettern und verstecken spielen konnte! Heute habe ich diese paar mageren Sträucher mit einem Schritt durchquert, damals war es wie der Urwald. Aber wenn man bedenkt, wie anders die Welt zu Kindertagen aussah, wieviel größer und spannender sie war und vor allem, wieviel Zeit man hatte! 15 Minuten große Pause in der Schule waren eine Ewigkeit! Was man da alles spielen konnte, wieviel man sich bewegt hat! Verstecken, fangen, Fußball, Tischtennisturniere, Klo gehen, Brotzeit machen, Streitigkeiten austragen, sich wieder versöhnen, neue Freundschaften schließen – alles in einer Viertelstunde. Zeit ist relativ.

Doch zurück zu dem Gebüsch und den Forschungen. In einem der Sträucher fanden wir einen großen Felsblock, oben flach und darauf? Deutlich erkennbare Spuren. Das mussten natürlich Dinosaurierspuren sein – wer hinterlässt sonst solche großen Abdrücke in Stein? Diese Theorie wurde bestätigt, als der Fels einige Tage später verschwunden war. Irgendjemand musste also ebenfalls die Spuren im Stein entdeckt haben und hatte ihn mitgenommen. Jedes mal, wenn wir danach im städtischen Naturkundemuseum waren, habe ich nach dem Stein Ausschau gehalten, denn wo sollte er sonst wieder auftauchen, als in einem Museum? Leider habe ich ihn bis heute nicht wiedergefunden.

Das soll es für heute sein. Wenn Du Dich für die Bücher von Frau Hillebrand interessierst, dann schau doch einfach mal auf ihrer Seite vorbei!

www.diana-hillebrand.de

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2 Kommentare zu “Heute schon geschrieben?

  1. Die kleinen Erzählungen finde ich zauberhaft …. sie sind sehr gut gelungen. Vor allem Selma schlug mich in ihren Bann; sie erinnert mich an ein eigenes Stück, das ebenfalls an einem und mit einem Strand spielt. Uschtrin betreibt seit sehr vielen Jahren einen tollen Kalender mit allerlei Wettbewerben, Ausschreibungen, Projekten und somit eine hervorragende Plattform für den Einstieg. Ich selber tingelte vor vielen Jahren mit einer Formation und durchorganisiertem, szenisch aufgearbeiteten Leseabend erst durch die Provinzen und dann durch größere Programme.
    Ihre Schreibe verlangt nach größerem Format – ich könnte mir sehr gut voluminösere Stücke vorstellen. Weitermachen! 😀

    Gefällt 1 Person

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