Staub und Steine, Teil 2 – Assuan, Tag 9

(mit diesem Beitrag ist der Blog wieder up to date!)

Alle anderen durften heute (Sa, 31.10.) wieder arbeiten – ja, Wochenende ist hier nur einen Tag, Feldarbeit (also archäologisch, nicht bäuerlich) ist kostbar.

Für mich dagegen stand Kultur auf dem Plan. Am Donnerstag beim Dinner im Old Cataract hatte ich Pamela Rose kennengelernt. Sie arbeitet für das Österreichische Archäologische Institut und gräbt derzeit in Hisn el-Bab (weitere Infos auf der Seite des ÖAI) und die Chance, eine solche aktuelle Grabung zu besuchen, kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Auf die Festung kommt man nur per Boot und man braucht die Grazie einer Ziege, um den steilen Berg emporzuklimmen.

Für den Weg hatte ich mir wieder unseren bewährten Taxifahrer Mohsen bestellt, der mich in die Weltstadt Jabal Shishah brachte. Dort ist die Anlegestelle des Bootes des ÖAI und passenderweise war der erste, den wir im Dorf fragten, gleich der Kapitän des nämlichen Bootes. Passt!

Er schipperte mich also über den Stausee und als wir am Fuß des Berges anlegten, kam auch gerade schon Pamela denselbigen herab, um zwei ihrer Mitarbeiter zum Boot zu begleiten. Manchmal geht der Zeitplan auch voll auf.

Der Weg hinauf nach Hisn el-Bab führt steil über rutschiges Geröll und Felsen hinauf. Kein Spaß, hat allerdings auch den Vorteil, daß keine Touristen über die Ausgrabung latschen 🙂

Fazit der Führung, die mir Pam gab: Man weiß bisher noch nicht viel und das, was man weiß, passt alles nicht zusammen. Man hat Festungsreste aus der fatimidischen Zeit, eine römische Festung, die ins 6. bis 7. Jahrhundert datiert und auch noch frühere Festungsreste. Die Funde, die man hat, sind alle 6./7. Jh., nichts davor und nichts danach, was alles noch sehr rätselhaft ist. Wir können gespannt sein, was in nächster Zeit dort noch entdeckt wird!

Ein kleines Detail am Rande: In einigen Räumen der Festung wurden Vorräte – vielleicht nubische Tributgaben – gefunden, in einem Gefäß befanden sich noch über 1000 Oliven! Keine Kerne, sondern noch die Früchte! So gut erhalten, nach all der Zeit, daß auch die Mäuse nach der Freilegung sich drüber hermachen wollten 😉

Nach genügendem Herumgekraxele im Geröllhang bin ich dann wieder hinab zum Boot und habe mich übersetzen lassen nach Philae….nicht das ursprüngliche, sondern das umgesetzte auf der Insel Agilika.

Ein Traum, Philae! Insbesondere, wenn man fast alleine ist, den Aufpassern dann endlich klar gemacht hat, Nein, ich will kein Foto, shukran, und einfach den Tempel genießen und sich alles ganz genau anschauen kann.

Bis…..ja, bis dann der ägyptische Schulausflug mit ungefähr mindestens 150 Halbwüchsigen über die Insel herfiel und den Tempel stürmte. Und dann….ja dann war ich das heißbegehrteste Foto-Objekt in diesem Tempel. Ich hab mich ja gefühlt wie ein Promi! „Can I take a photo with you????“

Warum? Warum habe ich mich und die anderen immer gefragt. Tja, scheinbar gilt man hier mit heller Haut immer noch als Exot, zumal, wenn man dann alleine und nicht in einer Reisegruppe unterwegs ist. Spannend, zumal sich das heute beim Kindertag auch wieder gezeigt hat, wenn man von den Kindern angestarrt wird, als käme man vom Mars, wenn gickernde Mädchen auf einen zukommen, einem die Hand geben und dann noch kichernder wieder weglaufen.

Ja, zumindest bei den jungen Mädchen auf Philae habe ich dann irgendwann nachgegeben und Fotos machen lassen, ja, auch heute beim Kindertag wurden Fotos mit mir gemacht….sollten euch also demnächst irgendwo Fotos von mir begegnen, dann bedenkt, ich bin ein Exot 😉

Nun denn, mit meinen vielen Philae-Fotos werde ich euch in nächster Zeit auch zuschwemmen, hier nur eine kleine Auswahl:

Und nur soviel, schon wieder war ich schlecht vorbereitet, denn natürlich habe ich vergessen, vorher nachzuschauen, wo denn genau die letzte datierte hieroglyphische Inschrift sich befindet. Und natürlich habe ich auch keinen Grundriß vom Tempel dabeigehabt, um mich zu orientieren.

Beim nächsten Mal wird alles besser!

Das Boot hat ich gut wieder zurück gebracht nach Jabal Shishah und gerade als ich ankam, bog auch mein Taxi in die staubige Straße ein – perfektes Zeitmanagement, den ganzen Tag!

Morgen, am Montag, bricht nun mein letzter Tag hier in Assuan an – ich werde die Deir-Anba-Hadra-Mannschaft ins Kloster begleiten und schauen, ob ich mich auf der Ausgrabung irgendwo nützlich machen kann – ich bin gespannt!

Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Halloween gehabt? Das ist hier diesmal völlig an mir vorbei gegangen…

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