Lichtblicke – Assuan, Tag 2

(24.10.2015)

Es ist warm. Nein, eigentlich schon heiß. Man könnte es fast schon unerträglich heiß nennen, hätte man sich nicht im kalten regnerischen Deutschland vorgenommen, nicht über die Hitze zu klagen – also tut man es nicht, auch wenn es des Nachts bei locker 30° schon sehr schwer fällt.

Im Grabungshaus beginnt der Morgen früh, um 5.30 Uhr gibt es Frühstück – so ein Frühstart ist aber auch die einzige Möglichkeit.

Für uns stand heute ein Rundgang über den Kom – also das Siedlungsgebiet – von Elephantine an, denn morgen um 15 Uhr dürfen wir eine erste Schulklasse durch die Ausgrabungen führen.

Elephantine ist eine unglaublich spannende Siedlung – erste Belege reichen bis in die Frühzeit zurück, eine durchgehende Besiedlung bis ins 13./14. Jh. ist nachweisbar. Die Insel im 1 . Kararakt war seit jeher die natürliche Südgrenze Ägyptens, auch wenn sich das Reich mitunter weit darüber hinaus erstreckte.

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Blick über die Ausgrabung auf Elephantine in Richtung Chnum-Tempel

Desweiteren sahen die Ägypter hier die Quellen des Nils und den Ausgangspunkt der Nilflut, was durch ein der Satet geweihtes Heiligtum nachweisbar ist. Neben Satet, der Herrin von Elephantine, wurden hier auch Chnum, der Widdergott des 1. Kataraktes und Anuket, Schutzgöttin der Insel Sehel, verehrt. Sie bilden eine ungewöhnliche Triade mit zwei weiblichen und nur einem männlichen Gott.

Festungsbauten, Wohn- und Begräbnisstätten, Verwaltungshäuser, alles findet sich hier.

Anbei ein paar Impressionen (folgen, wenn Internet besser ist), ein Besuch lohnt sich, auch wenn das Museum auf Elephantine derzeit auf unbestimmte Zeit geschlossen ist.

Blick von der Aussichtsplattform in Richtung Heiligtum des Heqaib

Blick von der Aussichtsplattform in Richtung Heiligtum des Heqaib

Unser Mittagsprogramm war der Besuch des Nubischen Museums in Assuan, in dem ab morgen unsere museumspädagogische Fortbildung stattfinden soll.

Im Gegensatz zum Kairener Museum kann ich das Nubische Museum wirklich sehr loben. Es ist stimmungsvoll aufbereitet, didaktisch durchdacht, große Infotafeln, locker aufgestellt, Objekte schön beleuchtet und die Objekte gehen von der prähistorischen Zeit bis in die moderne nubische Kultur. Auch der Staudamm und seine Folgen werden bedacht. Ich bin gespannt, was wir im Laufe der Woche mit unseren Kursteilnehmern draus machen.

Etwas zu viel ist der allgegenwärtige Rosengranit, der den Statuen und anderen Objekten teils einen etwas unruhigen Hintergrund gibt, aber der Stein ist hier eben wirklich überall zu finden, selbst in die Häuser wird er eingebaut.

Im übrigen gibt’s hier nicht nur Katzen, sondern auch die unvermeidlichen Ziegen, die hier mehr oder weniger frei herumlaufen.

Direkt an das Grabungsgebiet grenzt das moderne nubische Dorf an, wenn man dort durch die Gassen geht, dann kann man sich gut vorstellen, wie die altägyptische Siedlung nebenan ausgesehen haben mag.

Darf ich euch zum Schluß noch etwas über heiß sagen? Man duscht hier sowieso grundsätzlich nur kalt, um sich etwas Abkühlung zu verschaffen. Aber wenn man sich das Duschgel oder Shampoo aus der Flasche in die Hand gießt, dann ist es warm. Und wenn man sich abtrocknet, dann fühlen sich die Handtücher an, wie frisch von der warmen Heizung genommen. Und wenn man dann wieder in die Kleider schlüpft, dann sind auch diese warm. Und dann ist nach etwas 5 Minuten die kalte Dusche schon wieder vergessen.

Heiß ist, wenn man nach dem Bad im Nil mit dem klitschnassen T-Shirt auf der Terrasse sitzt und es sich am Körper trocknen lässt, um wenigstens etwas Kühle zu haben. Heiß ist, wenn einem der Schweiß an Brust und Rücken in Rinnsalen herabläuft und man gar nicht so schnell Wasser nachfüllen kann, wie es aus dem Körper herausrinnt.

Aber ich wollte ja nicht klagen…

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