Ein Sturm im Wasserglas – Assuan, Tag 3

(25.10.2015)

Heute war der erste „richtige“ Arbeitstag – der Start unseres Museumspädagogik-Kurses im Nubischen Museum.

Ich muß gestehen, daß ich ziemlich aufgeregt war. Was und vor allem wer würde uns erwarten? Wie sollte das ganze vor sich gehen, was sollen wir machen? Ich hatte zwar einen groben Plan, aber mehr auch nicht – wie auch? Wie soll man etwas für ein Museum vorplanen, dessen Einrichtung und Objekte man nicht kennt. Was an Programm vorplanen, wenn man nicht weiß, wer effektiv am Kurs teilnimmt.

13 Museumsmitarbeiter und Inspektoren, Männlein und Weiblein gut gemischt, sind es geworden, mal schauen, wer morgen noch so dabei ist 😉

Das Nubische Museum selber ist sehr fortschrittlich, sie haben eine eigene museumspädagogische Abteilung, sie bieten sogar barrierefreie Führung bspw. für Blinde Besucher an und sind sehr daran interessiert, gerade diesen barrierefreien Teil noch weiter auszubauen. Vielleicht bietet sich dort Gelegenheit für einen weiteren Workshop?

Wir haben beschlossen, uns in diesem Kurs zunächst einmal ganz auf die Kinder zwischen 6 und 12 zu beschränken, irgendwo muß man eine Grenze ziehen und Ziel des Kurses ist ja auch die Durchführung eines Kindertages. Dieser war ursprünglich für Freitag geplant, wir haben dies aber um einen Tag nach vorne gezogen, denn Freitag ist ja hier der „Sonntag“ und somit schulfrei und da wir nicht damit rechnen, das so viele Kinder freiwillig zu einem Tag der offenen Tür kommen (dafür hätte man auch schon viel früher Werbung machen müssen), haben wir beschlossen, Schulklassen aus der Stadt selbst einzuladen. Von 9 bis 12 Uhr am Donnerstag kommen Gruppen von je 50 Schülern, die dann eine Stunde im Museum bespaßt werden – natürlich von unseren Kursteilnehmern, für die dies eine Art Abschlußprüfung sein wird.

Heute haben wir erst einmal ganz generell über Museumspädagogik gesprochen und darüber, was man aus einzelnen Stücken herausholen kann. Es gibt eine sehr schöne lebensgroße Statue des Chephren hier im Museum. Alleine an dieser Statue haben wir gut zwei Stunden verbracht!

Sitzstatue des Chephren

Sitzstatue des Chephren

Sehr interessant auch für mich – man hat es hier natürlich zum einen mit einem ganz anderen kulturellen Hintergrund zu tun, zum anderen funktioniert auch das ganze ägyptische Vermittlungssystem in Schule und Museum anders als bei uns, nämlich mit dem gute alten furchtbaren Frontalunterricht. Ich spreche, du hörst zu, Fragen werden keine gestellt. Punkt. Dies zu ändern und vielleicht einen kleinen Einblick darein zu geben, was wichtig ist, die Kinder auch als gleichberechtigte Partner anzusehen und MIT ihnen zu entdecken, das ist eines meiner großen Ziele.

Nur als kleines Beispiel, wie es hier läuft: Als wir begannen über die Chephrenstatue zu sprechen, die auf drei Seiten eine sehr schöne Sema-Taui-Darstellung hat, meinte die Vermittlerin des Nubischen Museums das wäre doch für die Kinder total uninteressant. Sie würde den Kindern immer berichten, wie kunstfertig die Statue hergestellt ist, dann liesse sie die Kinder sich immer so hinsetzen wie die Statue, dann wird sie abgezeichnet. Ihr und mein Ansatz sind also doch durchaus etwas unterschiedlich.

Im übrigen – seid ihr interessiert? Dann würde ich noch etwas mehr dazu schreiben, was mir bei der Vermittlungsarbeit im Museum wichtig ist und vielleicht auch kurz vorstellen, was man im Einzelnen aus der angesprochenen Statue herausholen kann!

Nachdem wir heute darüber gesprochen haben, wie vielfältig man einzelne Objekte in einen Kontext einbinden kann, soll es morgen darum gehen, ein kleines Führungskonzept zu entwickeln. Die Teilnehmer unseres Kurses sollen sich 10 Objekte aussuchen von denen sie meinen, das man damit einen guten Überblick über das Museum erhält. Eigentlich hätte ich es gern gehabt daß sie das ganze heute vorbereiten und wir morgen darüber sprechen. Leider schließt das Museum über Mittag, so daß die Herrschaften es wohl doch erst morgen früh machen werden.

Im übrigen darf ich an dieser Stelle einen ganz dicken herzlichen Dank an meine Kollegin Hannah Sonbol aussprechen. Hannah ist auch Ägyptologin, Mitarbeiterin des DAI in Kairo und beschäftigt sich mit der Erstellung von Unterrichtsmaterialien. Sie ist selbst Ägypterin und spricht perfektes deutsch und arabisch. Das heißt, ich erzähle auf deutsch, sie übersetzt ins arabische und umgekehrt, denn das englisch der Teilnehmer ist teils nicht ganz so flüssig und so ist es am einfachsten. Shukran, Hannah, ohne Dich wäre dieser Kurs nicht möglich!

Heranziehender Sandsturm über Assuan

Heranziehender Sandsturm über Assuan

Und der Sturm? Tja, eigentlich sollte heute ja noch eine Führung auf der Ausgrabung auf Elephantine für die Schüler der DEO stattfinden, leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Just als nämlich die Schüler ankommen sollten, zogen aus dem Westen Wolken herauf, die Regen (und Abkühlung!) versprachen, zunächst aber einen Sandsturm mit sich brachten. Nur ein kleiner, aber er hat trotzdem schon zwischen den Zähnen geknirscht und der Anblick war unglaublich. Der Regen kam auch, aber die Abkühlung ist bisher eher mäßig.

Wir starten morgen nachmittag einen nächsten Versuch mit der Klasse.

Im übrigen – es besteht Hoffnung, daß das Internet bald wieder funktioniert. Der Techniker war heute vor Ort, dummerweise gab es genau in der Zeit einen kompletten Stromausfall, so daß er nicht arbeiten konnte. Morgen kommt er wieder – wir sind frohen Mutes!

Regen!

Regen!

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