Durch die Wüste – Kairo, Tag 2

Nachdem ich mir gestern meinen Museumsfrust von der Seele schreiben musste, habe ich beschlossen, einfach gleich weiter zu schreiben – diesmal nicht aus Frust, sondern um die Reise etwas zu dokumentieren. Auch wenn es momentan nicht so aussieht, es ist ja schließlich doch ein Arbeitseinsatz 😉

Kairo, Tag 2 – heute standen die Pyramiden auf dem Plan. Nachdem gestern das Taxifahren ja schon ohne Probleme geklappt hat, habe ich mich heute in aller Frühe um kurz nach 7 auf den Weg gemacht – nach Giza, Al-Ahram, den Pyramiden. Schon im Vorfeld wurde ich gewarnt: Nepper, Schlepper, Bauernfänger – wie ja bei einem solch touristischen Highlight zu erwarten ist. Trotz allem hats mich erwischt. Doch davon später mehr.

Ich habe mich also um kurz nach 7 in den morgendlichen Verkehr gestürzt und mir ein Taxi geschnappt und ließ mich dann hinausfahren zu den Pyramiden. Hier in Zamalek, wo ich gerade untergebracht bin, ist ja so ein wenig das Luxusviertel Kairos (was nicht viel heißt…), auf dem Weg zu den Pyramiden gab es dann auch mal eine andere Seite zu sehen – brennende Müllhaufen am Straßenrand, baufällige Wohnblocks, Esels- und Pferdewagen im Galopp auf der vollbefahrenen Straße. Durchaus sehenswert, aus dem Taxi.

Der erste Blick auf die Pyramiden war dann dieser:

 

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Kairo ist inzwischen derart gewachsen, daß es bis unmittelbar an die Pyramiden heranreicht. Wäre das ganze Gebiet nicht umzäunt, dann wäre es mit Sicherheit auch schon geschluckt. Ich war einige Minuten vor der offiziellen Öffnung um 8 Uhr da, lehnte entschieden alle Angebote nach Pferdekutschen, Taxis, Autos, Guides und sonstigem ab und machte mich dann auf den Weg, die Straße hinauf zur Cheopspyramide.

Am Fuße selbiger angekommen konnte ich gar nicht so schnell schauen, wie sich zwei Herren auf mich stürzten, „ooooooh, you from Germany, Willkommen, willkommen, ich habe (Onkel, Tante, Bruder, Schwager) in Hannover, hier als Geschenk“, drei Skarabäen und zwei kleine Pyramiden in die Hand gedrückt bekommen, „Come, take photo“, schwups, Kamera aus der Hand genommen und positioniert worden.

IMG_3777So schnell kann man gar nicht gucken.

„And now pay what you want!“

Öhm, ja, wie, was?

„100 Pounds each!“

Bitte?

Gut, ich hätte ihnen die Skarabäen und Pyramiden auch wieder vor die Füße werfen können. 100 Pfund (knapp 11 €) habe ich ihnen gegeben, mehr habe ich mich geweigert. Ich sehe es als Lehrgeld an, nichts, aber auch überhaupt nichts anzunehmen. Den Postkartenverkäufer, der mir drei Schritte weiter seine Ware auch „schenken“ wollte, habe ich gleich weitergeschickt…

Im Laufe meines Besuchs waren die Herren nicht mehr ganz so aufdringlich, ich war leider mit unter den ersten Besuchern am Morgen. Ein mehrfaches „No, Shukran“ hat geholfen.

Nach einer Umquerung der Cheops-Pyramide habe ich dann den Hauptweg verlassen und mich in das labyrinthische Gewirr des Westfriedhofes gestürzt. Da war ich dann alleine und niemand wollte etwas von mir 😉

Das Gewirr des westlichen Friedhofes

Das Gewirr des westlichen Friedhofes

Leider zeigte sich auch hier, was sich gestern im Museum schon andeutete. Keinerlei fachliche oder touristische Erschließung, Dreck, Müll und moderne Graffiti und das überall. Das wenige, was bei den Gräbern noch erhalten ist an Reliefs wird nach und nach von den Besuchern zerstört.

Besuchergraffiti

Besuchergraffiti

Mein Herumgekraxele zwischen den Gräbern machte die Touristenpolizei mißtrauisch, ich mußte mich des öfteren mit meinem Tasrih (Multipass!) ausweisen, scheinbar kommt kaum sonst jemand auf solch irrige Ideen.

Alle einigermaßen sehenswerten Gräber waren mit Metallgittern verschlossen. Das betraf nicht nur den Westfriedhof, auch bei den anderen Nekropolen war alles zu.

Nichtsdestotrotz, das Gekraxele zwischen den Gräbern und Mastabas hindurch war durchaus reizvoll, das ein oder andere schöne Relief war zu entdecken, auch wenn man vor Schächten und anderen Stolperfallen sich in Acht nehmen musste.

Nach der Hälfte des Westfriedhofes hat die Kamera erst einmal den Geist aufgegeben, aber zum Glück hatte ich das Handy dabei – so musste das zum Fotografieren herhalten.

Es ging weiter einmal um die Chephren-Pyramide (mit #pyramidenselfie) und weiter zur kleinsten der drei, der Mykerinos-Pyramide.

#pyramidenselfie

#pyramidenselfie

Mykerinos-Pyramide

Mykerinos-Pyramide

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann ging es durch den Tempel des Mykerinos, an Chephrens Tempel vorbei, durch das Gräberfeld zum Grab der Chentkaus und dem Taltempel von Mykerinos.
Dieses Gebiet war leider großflächig abgesperrt.

Auch hier haben die Graffitischreiber nicht halt gemacht, es ist wirklich überall etwas reingeritzt oder draufgeschrieben.

Graffiti

Graffiti

Es fehlt dem Großteil der Besucher leider einfach an der Wertschätzung dieser großartigen Hinterlassenschaften. Meinereiner hat schon Hemmungen, wenn ich beim Kraxeln zwischen den Gräbern mich mal an einem Stein festhalten muß, während junge Ägypter fröhlich neben den Verbotsschildern auf die Cheprenpyramide steigen.

Zuguterletzt, nach dreieinhalb Stunden und ebenso vielen Litern Wasser (und Schweiß!) durfte einer nicht fehlen: der Sphinx, der aber auch nur aus der Entfernung zu betrachten war. Auch ein schöner Rücken kann entzücken und es ist mal nicht das typische Sphinxbild.

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Obwohl, das gibts auch:

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Das war es jetzt in Kairo. Morgen geht es mit dem Flieger nach Assuan, wo am Sonntag die einwöchige Fortbildung „Museumspädagogik“ startet, die ich leiten darf.

Mein Fazit: Kairo ist laut, Kairo ist dreckig, Kairo stinkt, aber die Stadt hat auch ihren ganz eigenen Charme und ich bin mit Sicherheit nicht das letzte Mal hier gewesen 🙂

Seid gespannt auf Assuan!

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