Sprich mit mir!

Die vergangenen beiden Wochenenden habe ich zusammen mit einer Kollegin an einem Grundkurs Gebärdensprache der Münchner Volkshochschule teilgenommen.
Es war schon lange mein Wunsch, diese faszinierende Sprache zu lernen – unser Traum ist es, irgendwann einmal selbst Führungen in Gebärdensprache im Museum anzubieten, aber bis dahin ist es noch ein langer Weg!

Die Deutsche Gebärdensprache, kurz DGS, ist in Deutschland seit 2002 eine eigene anerkannte Sprache, die von etwa 200.000 Menschen gesprochen wird und ist die Sprache, die von hörgeschädigten oder gehörlosen Menschen in Deutschland verwendet wird. Wie in jeder anderen Sprache auch gibt es Dialekte (wir haben einige speziell bayerische Wörter/Ausdrücke gelernt) und natürlich hat jedes Land seine eigene Sprache – es gibt die Amerikanische Gebärdensprache, Türkische Gebärdensprache, Kenianische Gebärdensprache und noch viel viel mehr!

Wie der Name schon sagt, wird die Sprache gebärdet – mit den Händen, aber auch mit Mimik, Mundbild, Bewegung! Es ist eine sehr aktive Sprache! Der Raum der gebärden bewegt sich von der Höhe der Ellenbogen bis zum Kopf und in Körperbreite. Je nachdem, ob man Rechts- oder Linkshänder ist, hat man eine Haupt-Hand, mit der gebärdet wird. Es gibt einhändige oder doppelhändige Gebärden.

Zu Beginn haben wir erst einmal das „Fingeralphabet“ kennengelernt, mit dem man jedes Wort buchstabieren kann, wenn man die entsprechende gebärde (noch) nicht kennt. Auch Fremdwörter, Namen, Buch- und Musiktitel und Abkürzungen werden häufig mit dem Fingeralphabet gebärdet.

Damit ihr euch das ganze besser vorstellen könnt, findet ihr hier eine Übersicht:

Deutsches Fingeralphabet (pdf)

Vielleicht habt ihr ja Lust, einmal zu versuchen, euren Namen zu gebärden?

Die meisten Worte haben eine eigene Gebärde – oftmals ist der Ursprung nachvollziehbar und ersichtlich, man kann sich Eselsbrücken bauen, manchmal ist es nicht so einfach.
Manchmal hat eine Gebärde verschiedene Bedeutungen – je nachdem, welches Mundbild man dazu macht. Das Wort wird deutlich, aber ohne Ton, „gesprochen“. „Vater“ und „Montag“ ist so ein Fall – gleiche Gebärde, unterschiedliches Mundbild.

Vokabeln lernen ist auch nicht so einfach – man kann sich nicht einfach die beliebten Karteikärtchen schreiben, denn man braucht ja immer eine Person, die die Gebärde durchführt! Im Lehrbuch gibts Abbildungen, aber natürlich unbewegt, das macht das Erkennen auch nicht immer ganzeinfach. An der Stelle wünsche ich mir ganz dringend digitales Papier, bitte!

Wie jede Sprache, so lernt man auch die DGS am besten von einem „native speaker“ und so war auch unsere Dozentin im Kurs gehörlos. Das macht die Kommunikation bisweilen sehr spannend, aber zum Glück gibt es ja noch Zettel und Stift oder die Tafel, wo man auch mal etwas aufschreiben kann 😉

Neben den Gebärden, die man lernen muß, hat die DGS auch eine ganz eigene Grammatik und einen eigenen Satzbau. Ist der normale deutsche Satzbau S(ubjekt) – V(erb) – (O)bjekt, so ist er in der DGS S – O – V, zeitangaben kommen immer ganz an den Anfang, Ortsangaben immer ans Ende. Beispiel gefällig?

„Ich lerne heute Gebärdensprache“ – „Heute (ich) Gebärdensprache lernen“
Ob der Satz eine Frage wird, kann man mit der Mimik bestimmen – fragend schauen, dann ist es eine Frage, neutral schauen, dann ist es eine Aussage.

Alles in allem macht es unglaublichen Spaß zu lernen, es ist eine große Herausforderung und wir bleiben auf jeden Fall dran! Die Teilnahme am Aufbaukurs ist geplant und wir müssen üben, üben, üben!

Im übrigen – wisst ihr, was die Gebärde für „Altägypten“ ist? Die Arme über der Brust gekreuzt. Ist klar, oder? 😉

Ich freue mich wie immer über eure Kommentare! Habt ihr Erfahrungen mit DGS?

Zum Weiterlesen und informieren:

Taubenschlag

Mein Augenschmaus

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Ein Kommentar zu “Sprich mit mir!

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