Stoppt eure Kinder nicht!

Am Sonntag letzte Woche war ich wieder zur Familienführung im Museum. Trotz hochsommerlicher Temperaturen hatten sich 5 Kinder und die zugehörigen Erwachsenen eingefunden.

Nachdem sich die ersten Berührungsängste und Schüchternheit gelegt hatte, stach ein Mädchen ganz besonders hervor. Sie war vielleicht 8 oder 9 Jahre alt und in Begleitung ihrer Eltern und jüngeren Schwester da.

Nun muß ich dazu sagen, daß ich bei Führungen immer ganz viele Fragen stelle und auch immer den Dialog mit den Kindern (und Erwachsenen) suche. Ich lasse überlegen und selber entdecken.
Dieses Mädchen nun war hochbegeistert bei der Sache, hatte immer was zu sagen, beizutragen, zu beantworten, zu fragen. Ich konnte kaum einen vollständigen Satz sagen, ohne daß ihr Finger gleich schon wieder oben war.
Diese überschwängliche Begeisterung war den Eltern nach einiger Zeit sichtlich peinlich, die Mutter zog dem Mädchen nach einer Weile den erhobenen Arm nach unten, murmelte „Nun ist aber mal gut!“ und schaute mich entschuldigend an.

Deswegen mein Appell an alle, das, was ich auch der Mutter sage: Bitte, stoppt eure Kinder nicht! Sagt ihnen nie „Nun hör doch mal auf zu fragen“! Bittebittebitte!
Mir ist ein solches Kind hundert Mal lieber als manche, die einen nur kulleräugig anschauen und nichts sagen. Vertraut uns, daß wir die Begeisterung der Kinder schon in richtige Bahnen lenken und auch die anderen Kinder bei Führungen nicht vergessen. Eure Kinder nerven uns nicht – im Gegenteil!

Bewahrt die Neugierde eurer Kinder und lasst sie fragen, fragen, fragen!
Stoppt eure Kinder nicht!

Advertisements

3 Kommentare zu “Stoppt eure Kinder nicht!

  1. Das kann ich so unterschreiben. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine eigene Zeit „auf der anderen Seiten“, als Kind bei den Führungen im Museum. Und später als Jugendlicher. Nach mehreren Jahren wusste ich bei den Führungen selbstverständlich weitaus mehr als alle anderen – und trotzdem habe ich mich immer wieder gemeldet und wollte zu der Führung beitragen. Es ging mir dabei nie darum, anderen zu beweisen, wie toll ich bin, wie viel ich weiß. Mir ging es damals eigentlich immer mehr darum, mein Wissen beizutragen. Als Kind denkt man nicht darüber nach, ob man andere mit ständigem Melden vielleicht nerven könnte. Dieses „auf andere Rücksicht nehmen“ und „sich nicht in den Vordergrund drängen“ wird einem meist erst später anerzogen.

    Es ist allerdings freilich – wie du richtig schreibst – nicht Aufgabe der Kinder, sich selbst zurück zu nehmen. Und es ist garantiert auch nicht Aufgabe der Eltern, die Begeisterung ihrer Kinder zu zügeln. Im Gegenteil. Sie sollten die Begeisterung wahrnehmen und in weitere Bahnen lenken, sie fördern. Es ist hingegen Aufgabe der Führungskräfte, eine Gleichbehandlung der Kinder zu gewährleisten und auch die mit ins Boot zu holen, die stiller sind, die sich nicht ständig melden, aber vielleicht trotzdem jede Menge wissen. Oder grundsätzlich die Führung in einem erträglichen Rahmen zu halten. Wenn mir Kinder zu nahe auf die Pelle rücken oder mit ihren Fingern permanent in meiner Nase bohren, dann dämpfe ich die Begeisterung schon mal ein kleines Stück. Meistens hält diese sanfte Ermahnung sowieso nie lange an. 😉 Und im Gegenzug merke ich bei einer Führung natürlich auch, welche Kinder sich fast nie melden – und nehme diese beizeiten auch mal ganz gezielt dran. Manchmal vielleicht auch, weil die Konzentration nachlässt und das Ratschen in der hintersten Reihe plötzlich spannender wird – zum Leidwesen aller anderen. Dann muss man die Leute wieder zurück ins Boot holen.

    Aber eines ist klar: Kinder, die sich für etwas sehr interessieren, muss man fördern. Denn nur dann entwickeln sich aus diesen Kindern Menschen mit Begeisterungen, Perspektiven, Ideen, Visionen. Das sind dann jene Menschen, die unsere Gesellschaft weiterbringen, die nicht perspektivlos auf der Straße sitzen und das Leben erdulden. Sondern die ihr Leben selbst in die Hand nehmen.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für den ausführlichen Kommentar – ist ja länger als der eigentliche Beitrag 😉 Das mit dem Finger in die Nase bohren kenn ich auch nur zu gute, und wenn Sohnemann mit ist, der ja nun auch schon allerlei weiß, dann will er natürlich auch immer, da muß ich ihn dann auch immer etwas zurückhalten – das weiß er allerdings auch, daß da dann mal die anderen zum Zuge kommen 😉 Ich war selber „auf der anderen Seite“ im übrigen immer eine der ruhigeren Vertreterinnen in der letzten Reihe, ich hab immer gerne zughört, aber ich glaube, ich wäre im Erdboden versunken, wenn mich jemand was direkt gefragt hätte 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Wunderbar und Recht hast du. Als Mutter ertappe ich mich zwar auch dabei, dass ich Mini zügle, aber noch nicht im Museum. Sollte der Impuls dazu aufkommen, werde ich sofort an deinen Beitrag denken! Dank @PSoemers, der dich heute in seinem Kommentar zu #CultJAm15 verlinkte, las ich dich – sehr fein!

    LG,
    Tanja

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s