Star Trek never dies

Jaja, wenn man einmal mit dem Schreiben angefangen hat…..dann hat man aber auch überall etwas dazu zu sagen.

Ich habe eben im Blog eines Freundes einen Artikel gelesen, auf den ich doch etwas länger antworten muß. Wo besser als hier?

Thule4klUm diesen Artikel geht es: „Star Trek is dead“.
Stephan zeichnet in seinem Artikel ein sehr düsteres Bild des Franchise. Seit dem vorzeitigen Ende der bislang letzten Serie „Enterprise“ im Jahr 2005 und den beiden letzten Kinofilmen, die ein Re-Start des Star-Trek-Universums in einer alternativen Zeitlinie waren, sieht er wenig Hoffnung für die Zukunft.

Ich sehe das etwas anders und bei weitem nicht so finster.
Ich bin Star-Trek-Fan seit 1989, seit nachmittags auf dem ZDF „Star Trek – das nächste Jahrhundert“ (TNG – The Next Generation) ausgestrahlt wurde und ich mit damals 12 Jahren gebannt vor dem Fernseher saß und dieses ganz neue Universum und die Zukunft entdeckte. Irgendwie hat mich das dann für den Rest meines Lebens geprägt.

Versetzen wir uns doch mal in diese Zeit zurück. Es hatte nur die Originalserie (TOS – The Original Series) gegeben, die von 1966 bis 1969 lief. 3 Staffeln in 3 Jahren.
Erst 10 Jahre später, im Jahr 1979 gab es den ersten Kinofilm und seien wir ehrlich, er war sehr psychedelisch. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, habe ich auch nur gedacht „Was ist DAS???“.
1982, 1984 und 1986 folgten die nächsten drei Filme – Klassiker und der 4. ist immer noch herrlich!

Und dann? Der Start einer neuen Serie im Jahr 1987. Ein neues Schiff, eine neue Crew. Ein alter, glatzköpfiger Mann, der das Schiff kommandierte. Eine Frau als Sicherheitsschef! Ein Android! Ein KLINGONE als Teil der Crew!!!
Zu Beginn wurde das ganze sehr mißtrauisch beäugt und auch dort war der Aufschrei groß, daß das Klassik-Universum zerstört werde.

Nur zwei Jahre später, 1989, kam der nächste Kinofilm mit der TOS-Crew ins Kino und lasst uns ehrlich sein – er war SO schlecht. Die Enterprise trifft auf Gott. Nunja. Für mich war es der erste Kinofilm, den ich – angesteckt von TNG – gesehen habe und meine erste Begegnung mit Kirk und Spock. Trotz aller Schlechtigkeit des Films – mir hats nicht geschadet und es hat mich auch nicht abgeschreckt 😉

TellarklAls sich Anfang der 90er TNG langsam dem Ende entgegen neigte, kamen Gerüchte auf. Über eine NEUE Serie! Ich weiß noch, wie wir in der Schule die Fanzeitschriften durchwühlt haben, um an Infos zu kommen. Ja, das war VOR Zeiten des Internets. Es war schwierig, Details zu erfahren.
Nichtsdestotrotz, daraus haben sich neue Freundschaften entwickelt. Jana von MyDenglischPOV habe ich darüber kennengelernt 🙂

Es sollte um eine Raumstation gehen! Mißtrauen machte sich breit – kein RaumSCHIFF mehr? Wie sollten denn da die Geschichten entstehen? Die Reise durch den Raum war doch das, was die Serien bisher ausgemacht hatte.
Wie alle Serien hatte auch „Deep Space Nine“ (DS9) seine Startschwierigkeiten. Bisher brauchte jede Serie ein bis zwei Staffeln, bis sie ihr eigentliches Gesicht gefunden hatte.
Genauso war es mit „Raumschiff Voyager“ (VOY), das nur zwei Jahre nach DS9 und ein Jahr nach dem endgültigen Ende von TNG in den Deltaquadranten verschlagen wurde. Eine FRAU, die das Schiff (immerhin wieder ein Schiff!) kommandieren sollte! Und bsiher ist VOY auch die Serie, die von den Fans am unterschiedlichsten beurteilt wurde. Einige verreißen sie, andere finden sie herrlich. Aber so sind wir nun mal. Es muß ja nicht jedem alles gefallen 😉
Wir haben uns damals öfter bei Jana getroffen, haben die neuesten Folgen von VOY aus der Videothek ausgeliehen und lange Star-Trek-Abende vor dem Fernseher gemacht.

1994 brachte auch im Kino den Wechsel von TOS zu TNG – „Treffen der Generationen“. Auch dem Film stehe ich zwiegespalten gegenüber. Nunja.
1996 und 1998 brachten „Der erste Kontakt“ und „Der Aufstand“, wobei auch letzterem wieder viele Vorwürfe gemacht wurden. Picard, der den Dienst quittiert und meutert war für viele nicht nachvollziehbar.
2002 kam „Nemesis“ in die Kinos und damit der endültige (?) Abschied von der TNG-Crew. Viele Fäden der Geschichte sind noch offen. Potential für Fortsetzungen ist immer gegeben.

Im Jahr 1997 habe ich auch meine erste Federation Convention (FedCon) besucht. Das deutschlandweit größte Fantreffen, das damals noch im Maritimhotel in Bonn stattfand und wenn man erstmal mit einigen tausenden von Fans und den Schauspielern zusammentrifft, dann merkt man erst einmal, wie divers auch das Fandom an sich ist. Da bin ich ja noch echt gemäßigt. Doch das ist eine andere Geschichte…

2001 startete wiederum eine neue Serie. Keine Fortsetzung, weiter in der Zukunft, sondern der Beginn der Föderation sollte beleuchtet werden. Es ging in die Vergangenheit (der Zukunft…). Die Reise des ersten Enterprise-Raumschiffes sollte beleuchtet werden. Gleich wieder Kritik aus dem Fandom: Von dieser NX-01 hatte ja noch niemand gehört. Die war ja gar nicht Canon. Der Canon ist die festgeschriebene und in sich konsistente offizielle Geschichte des Star-Trek-Universums. Viele der Romane, die es gibt, werden als nicht-Canon angesehen, ebenso natürlich alles, was sich auf FanFic-Ebene abspielt. Die Filme und Serien sind natürlich Canon.
Die ersten Filmschnippsel, die es auf den FedCons zu sehen gab, waren auf jeden Fall sehr vielversprechend. Ganz bewusst hatte sich die neue Serie dazu entschieden, nicht den Passus „Star Trek“ in den Titel zu nehmen, denn man befand sich ja noch auf dem Anfang des Weges. Sie hieß schlicht „Enterprise“ (ENT) und ich kann Stephans Jubelrufen nur zustimmen. Da kam etwas Großes auf uns zu. Eine Zukunfstvision, die nicht so glatt geleckt und in fernen Weiten angesiedelt war wie TNG oder die anderen Serien, sondern etwas, was uns in unserer eigenen Wirklichkeit viel näher war. Die ersten, zögernden, stolpernden Schritte in den Weltraum. Auseinandersetzungen mit Spezies, die den Weltraum schon viel länger in den Händen hatten. Die Menschheit, die jetzt meinte, sich als neuer Mitspieler auf der großen Weltraumbühne in alles einmischen zu müssen, aber doch eigentlich von nichts eine Ahnung hatte.
Ich habe auf jede Folge hingefiebert und schon mit den ersten Klängen der Titelmelodie ging mir das Herz auf und auch jetzt wird jede Folge grundsätzlich nur mit meinem NX-01-Basecap auf dem Kopf geschaut.

Leider hatte sich die TV- und Filmindustrie inzwischen so weit entwickelt, das jede neue Serie auch immer ein großer kommerzieller Erfolg werden musste. War das eigentlich bei VOY, DS9 und gerade TNG auch so? Ich glaube nicht, denn dann hätten sie sicherlich nicht alle ihre 7 Staffeln bekommen.
Wie auch immer, der Erfolg von ENT entsprach nicht den Erwartungen und es wurde an der Serie herumgedoktort. Das Signum „Star Trek“ wurde in den Titel aufgenommen. Die Titelmusik „rockiger“ gestaltet. Die Borg tauchten auf. Und zum Schluß sogar noch Crewmitglieder von TNG. Alles half nichts, nach nur 4 Staffeln war Schluß.
Meiner Meinung nach wurde die Serie wegen des zwingend notwendigen kommerziellen Erfolges kaputt gemacht. man hätte ihr ihre eigene Zeit geben sollen und NICHTS ändern, dann wäre es ganz von alleine gekommen, wie bei allen anderen Serien auch. Und Star-Trek-Fans sind treu. Die bleiben bei der Stange. Ich finde, daß ENT einige der größten Geschichten hervorgebracht hat. „The Andorian Incident“, „Shadows of P’jem“, „Shuttlepod One“, sorry, aber alleine beim Schrieben der Titel bekomme ich hier gerade eine Gänsehaut!
Ich muß ENT mal wieder schauen. Sohnemann ist 7, ob er das inzwischen mitmachen kann…?

Vier Jahre nach dem Ende von ENT, 2009, kam der nächste Kinofilm. Schlicht und einfach „Star Trek“ benannt. 30 Jahre nach dem ersten Film, der ja auch nur „Star Trek (The Motion Picture)“ hieß.
Mit diesem Film versuchte man einen Neustart des Franchise, eine Modernisierung und man begann – ganz am Anfang. Mit dem ersten Kommando von Captain James T. Kirk. Die Geschichte wird, dank eines temporalen Unfalles, ganz neu erzählt.
Ehrlich? Ich finds großartig. Ich finde die (inzwischen zwei) Filme richtig gut gemacht. Klar, es hat viel mehr Krach, Bumm, als es das vorher hatte. Die Philosophie bleibt auch etwas auf der Strecke, aber mei. Würde heute noch ein „Am Rande des Universums“ ziehen? Sind wir noch die gleichen, die wir vor 5, 10, 20, 40 Jahren waren?

Schaue ich mir heute die ersten Folgen von TNG an, dann rollen sich mir ehrlich die Fußnägel hoch. Man muß ein jedes Ding aus seiner Zeit heraus betrachten und deswegen entwickelt sich natürlich auch Star Trek weiter. Wir sind anders. Die politische Situation weltweit, die Wissenschaft ist anders. Natürlich wird auch Star Trek anders.

Aber solange es uns inspiriert, über die Zukunft nachzudenken, uns zu besseren Menschen zu entwickeln, solange daraus Freundschaften, Ehen und Kinder entstehen (alles schon erlebt!), solange geht es weiter. In die Zukunft. Manchmal vielleicht „Per aspera ad astra“, aber:

Star Trek never dies.

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Ein Kommentar zu “Star Trek never dies

  1. Pingback: Star Trek is dead | Stephan M. Unter

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