Ruby – Check

Neben meinen beruflichen Eskapaden bin ich im privaten seit bald 20 Jahren begeisterte Pen-and-Paper-Rollenspielerin. Lange Zeit in verschiedenen DSA-Gruppen („Das Schwarze Auge“), seit neuestem versuchen wir uns in „Shadowrun“.

Während DSA eine klassische Mittelalter-Fantasy-Welt ist, mit Rittern, Zauberern, Kriegern und Geweihten unterscheidet sich Shadowrun davon doch ziemlich. Shadowrun spielt in einer alternativen Zukunft, im Jahr 2075. Im Jahr 2011 begann die Magie, in die Welt zurückzukehren, Menschen entwickelten sich teils zu Metamenschen – Trollen, Orks, Zwergen, Elfen -, Drachen, Geister und weitere Fabelwesen tauchten auf. Neben diesen magischen Ereignissen entwickelte sich aber auch die Technik sprunghaft fort, die Matrix durchdringt den digitalen Raum, die Konzerne beherrschen die Wirtschaft. In dieser Welt gibt es einige, die in den Schatten leben, Shadowrunner, die für genug Geld dreckige Geschäfte erledigen.

In die Tiefen dieser finsteren Welt haben wir uns also kürzlich begeben und da man seinen neuen Spiel-Charakter auch selbst erst einmal näher kennenlernen muß, was liegt näher, als dies durch Schreiben zu tun.

Hier also meine erste Geschichte aus der Welt von Shadowrun. Trefft Ruby, die Mechaniker-Zwergin.

 


 

Check

Drek. Die Haustür war nicht abgeschlossen.
Ich ließ den Schlüssel im Schloß stecken und lockerte meine Light Fire im Holster. Sicher war sicher, obwohl ich nicht glaubte, daß irgendein Schlemihl, der meine Bude ausräumt, danach sorgfältig die Tür verschließen würde.
Vorsichtig drehte ich den Schlüssel. Mit einem leisen Klick öffnete sich die Tür. Ein Hauch von Putzmittel schlug mir entgegen, durchmischt mit dem Geruch von Mittagessen. OK, das Verderben war wieder in meine vier Wände eingefallen.

“Hi Mam”, rief ich, schnallte mit einer Hand das Holster ab und ließ es im Schuhschrank verschwinden. Meine Arbeitsstiefel standen in Reih und Glied nebeneinander, hier war sie also schon durchgewirbelt.
“Bist du das, Annaschatz?”, klang es aus der Küche.
Nein, ich bin Hübich, der wiederauferstandene Zwergenkönig, lag es mir auf der Zunge. Ich zog die Stiefel aus und hing die Jacke ordentlich an den Haken – Konflikte vermeiden, lautete die Devise.
“Ja”, antwortete ich also stattdessen und wappnete mich.

Sie stand an meiner schmalen Küchenzeile, rührte in drei Töpfen auf zwei Platten gleichzeitig, während alles um sie herum fein säuberlich blitzte. Kein Tropfen entfloh. Keine Flüssigkeit kleckerte. Wenn ich mal kochte, sah das anders aus. Bewundernswert.
Die blonden Locken hatte sie sorgfältig auf dem Kopf arrangiert, eine buntgemusterte Schürze um die runden Hüften gebunden.
Mein Blick fiel auf den Tisch. Blankgeputzt. Sorgfältig für drei gedeckt.

“Wo hast Du mein Werkzeug und die Drohne hingetan?”, entfuhr es mir scharf. Ich hatte heute morgen meine FlySpy auseinandergebaut und geplant, sie später wieder zusammenzusetzen. Das Herzchen funktionierte in letzter Zeit nicht hundertprozentig, das musste geändert werden.
“Den Kabelkram und die Schrauben? Habe ich in eine Schüssel geräumt und nach draußen gestellt. Deine Werkstatt war ja mal wieder abgeschlossen. Weißt du, wie das Zeug gestunken hat? Und überall das Öl auf dem Tisch. Das hat mich Stunden gekostet, das wieder wegzubekommen. Wozu hast du eigentlich deine Werkstatt, wenn du doch wieder alles in die Wohnung schleppst? Und warum verriegelst du die immer? Ich möchte nicht wissen, wie es da aussieht. Ein Putzlappen und ein Besen da drin würde mit Sicherhheit nicht schaden…”
Mit halbem Ohr hörte ich der Litanei zu, warf ab und an ein “Ja, Mam” ein und eilte zur Hintertür.

Da lag sie, zusammengekehrt in einer Plastikschlüssel. Frak, das würde mich zwei Tage kosten, das wieder auseinander zu klamüsern.
“Das schaffen wir schon, Herzchen”, meinte ich leise und ging rüber zum Werkstatttor. Ein Hoch auf das Magschloß, sonst wäre mein Heiligtum mit Sicherheit nicht vor Mam sicher.
Ich stellte Herzchens Einzelteile auf die Werkbank, lupfte die Plane und strich über Lassies seidenglatte, rubinrote Flanke.
“Heut abend, mein Schöner”, flüsterte ich und merkte, wie sich mein Herzschlag deutlich beschleunigte. “Heut abend ist es wieder so weit.”
Vorhin erst hatte ich Dragonbloods Nachricht in meiner Inbox gehabt, daß das nächste Rennen heute abend starten würde. Durch Puyallup würde es mal wieder gehen, Redheads gegen Accelerators und ich hoffte, daß Dragon mich diesmal eingeteilt hatte.
Ich tätschelte liebevoll Lassies Scheinwerfer, deckte ihn sorgfältig mit der Plane zu und verriegelte dann die Werkstatt. Sicher war sicher.

“…und dann hat dein Vater zu ihr gesagt…” Mams Litanei war anscheinend ununterbrochen weitergegangen. Wahrscheinlich hatte sie nicht gemerkt, daß ich draußen gewesen war.
Ich drückte ihr einen Kuß auf die Wange.
“Wo ist Paps denn?”, unterbrach ich sie.
“Er kommt etwas später, hatte noch einige geschäftliche Dinge zu erledigen. Ich hoffe, daß er rechtzeitg zum Essen da ist. Anna, Schatz, ich hab dir deine Wäsche mitgebracht und die dreckigen Klamotten gleich wieder eingepackt. Diese Flecken auf den Arbeitsanzügen, ich schwöre dir, die treiben mich noch einmal in den Wahnsinn!”
Sie legte den Kochlöffel beiseite, tat Deckel auf die Töpfe und schaltete den Herd herunter. Dann wandte sie sich mir zu und musterte mich kritisch von Kopf bis Fuß. Sie stütze die Hände in die Hüften.
“Kind, ich schwöre dir, so wie du aussiehst, wirst du nie einen anständigen Mann abbekommen. Und was ist das?”
Ein Griff an mein Kinn und mein Kopf wurde herumgedreht.
“Au, Mam, sei doch vorsichtig!” Die neue Haut um meine frisch eingebaute Talentbuchse war noch sehr empfindlich.
“Noch so ein Ding? Nicht mehr lange und du siehst aus wie ein Cyborg, wirklich. Kannst du dir nicht wenigstens die Haare darüber wachsen lassen? Und eine etwas natürlichere Farbe?
Sie strich über den schmalen Streifen knallroten Haares auf meinem Kopf.
“Nein Mam, kann ich nicht, will ich nicht, und darüber haben wir auch schon oft genug gesprochen.”

In diesem Moment vibrierte mein Kommlink. Ich zog das Gerät aus meiner Hosentasche und schaute aufs Display. Eine rote Sonne funkelte dort. Scarlett.
“Sorry Mam, ich muß da kurz rangehen.”
Ohne auf ihre Antwort zu warten, ging ich wieder durch die Hintertür nach draußen.

rb: Scarlett?
sc: Hi Ruby, hast du schon gehört?
rb: Viel, aber was genau?
sc: Rage hat sich vorhin das Interface von seiner Karre zerschossen.
rb: Nein! Wie hat er denn das geschafft?
sc: Tja, zu viel gewollt. Pimp my Hyundai geht halt auch nur soweit wie die Leitungen wollen. Puff, das wars.
rb: Frak. Krasse Sache.
sc: Und dein Vorteil. Wenn Rage ausfällt, bist du heut abend mit großer Wahrscheinlichkeit dabei. Brauchst noch Hilfe, den Tesla aufzumotzen? Ich könnt in 30 Minuten bei dir sein.

Ich knirschte mit den Zähnen. Scarletts Unterstützung könnt ich wirklich gut gebrauchen. Ein paar Leitungen im Motorraum könnten nochmal durchgeputzt werden und für mich war es doch immer ein Akt, auf Lassie draufzuklettern. Schicksal der kleinen Leute.

rb: Wär gigantisch, nur Drek, daß meine Eltern sich heut bei mir eingenistet haben. Wie ich die kenne, wirds knapp, daß ich rechtzeitig zum Rennen wegkomme.
sc: Deine Eltern? Warte, ich hab eine Idee. Booster schuldet mir noch einen Gefallen. Bis gleich.

Scarlett hatte die Verbindung unterbrochen. Drek, ich hoffte, er hatte einen guten Plan.

Es schepperte drinnen und ich hörte ein gequietschtes “WAS?” von Mam, dann flog die Hintertür auf.
“Annaschatz, ich hab grad eine dringende Nachricht von Tante Wilma bekommen. Sie ist doch grad in Urlaub und in ihrer Wohnung wurde Alarm ausgelöst. Vielleicht wurde eingebrochen. Ich muß sofort da hin und nach dem Rechten schauen. Ich sammele deinen Vater unterwegs ein. Tut mir leid, daß es mit dem gemeinsamen Essen nichts wird, zum Glück habe ich ja das Aufräumen und Saubermachen noch geschafft.”
Sie entledigte sich ihrer Schürze, fuhr sich kurz durchs Haar und drückte mich.
“Ich meld mich, ja? Komm am Wochenende zu uns, dann holen wir das Essen nach!”

Fünf Minuten später war sie verschwunden. Ein Hoch auf den Decker.

sc: Check, Ruby?
rb: Check, Scarlett!

<Fortsetzung folgt>

 


 

 

Wie immer freue ich mich natürlich über eure Kommentare! Hat es euch gefallen?

Wenn ihr noch einen anderen Charakter aus unserer Shadworun-Gruppe kennenlernen wollt, dann schaut doch mal bei Stephans Blog vorbei!

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