Kultur ist für mich…? #KultDef

…das fragt Tanja Praske in ihrer aktuellen Blogparade #KultDef und auch ich möchte mich wie viele vor mir an die Beantwortung dieser kurzen, kleinen, unscheinbaren, aber doch umfassenden, Frage machen.

Kultur ist für mich wie das Salz in der Suppe. Natürlich kann man ohne leben, aber es macht die ganze Angelegenheit doch etwas fad.

IMG_1690 KopieFür mich ist Kultur von jeher ganz eng mit Museen verknüpft. Schon von klein auf war ich mit meinen Eltern immer in den Museen meiner Heimatstadt Kassel unterwegs, vor allem im Naturkundemuseum im Ottoneum und in der Gemäldegalerie im Schloß Wilhelmshöhe. Auch im Familienurlaub war der Besuch von Museen, antiken Stätten und Kirchen immer festes Programm. Mich hat das nie gestört, im Gegenteil, ich bin da reingewachsen und habe bei den ersten eigenständigen Urlauben in der Jugendzeit meine Freundinnen auch immer zu den historischen Sehenswürdigkeiten geschleppt.

Das Interesse meiner Familie galt schon immer der Geschichte –  der Vergangenheit, die überall ihre Spuren um uns herum hinterlassen hat. Es war weniger die Moderne, die uns gereizt hat. Nichtsdestotrotz führte mich mein erster Museumsweg nicht in ein Antikenmuseum, sondern über das Hobby der Astronomie ans Astronomisch-Physikalische Kabinett in Kassel, wo ich neben Schule und Studium 10 Jahre im Planetarium gearbeitet habe. Auch der Weg zum Studium der Ägyptologie war irgendwie mehr oder weniger Zufall, aber das ist eine andere Geschichte.

Mir selber war relativ schnell klar, daß ich auch weiterhin dem Museum als Institution treu bleiben wollte und ein Praktikum an der Kasseler Antikensammlung überzeugte mich, daß das mein Weg ist. Von den inzwischen 10 Jahren am Ägyptischen Museum in München habe ich keinen Tag bereut.

Doch was ist nun Kultur, Geschichte, Antike, Museum für mich – außer ein großer Teil meines Lebens? Für mich lehrt uns die Vergangenheit, das Jetzt zu verstehen. Lehren zu ziehen aus dem, was war. Dinge besser zu machen und selbst als Mensch beständig zu wachsen.

Wenn wir uns mit der Vergangenheit, mit anderen „Kulturen“ und Ländern beschäftigen, dann sehen wir doch, daß auch die Menschen vor vielen tausend Jahren gar nicht so anders waren als wir heute. Oder doch? Vielleicht hatten sie Ansichten, die es wert wären, bedacht zu werden. Durch die Beschäftigung mit der Vergangenheit lerne ich, meine Werte und Ansichten in Frage zu stellen, über mein eigenes Leben, über den Tellerrand, der mich beschränkt, hinauszuschauen und immer offen zu sein für Neues.

Zudem kann nichts die Faszination trüben, die mich immer wieder packt, wenn ich vor Originalobjekten stehe, die Menschen vor tausenden von Jahren geschaffen haben – in einer Perfektion, die ihresgleichen sucht. Und auch mein erstes Flintwerkzeug, das ich im Studium in der Hand hatte, werde ich nie vergessen.

Kultur ist Neugier, Faszination und immer ein klein wenig Gänsehaut.

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6 Kommentare zu “Kultur ist für mich…? #KultDef

  1. Pingback: Blogparade: "Kultur ist für mich ..." - Aufruf #KultDef

  2. Liebe Roxanne,

    wunderbar – so jung dein Blog – und schon wirfst du dich ins Blogparaden-Getümmel – merci für deinen Beitrag!!!

    Yep, man muss schon das Gänsehaut-Gefühl lieben, wenn man sich für ein Studium entscheidet, das ganz schwere Job-Aussichten verspricht – im negativen Sinn! Am Ende ist es dann die Leidenschaft, die doch den Weg ins und fürs Museum ebnet. So erging es mir auch, als ich anfing Kunstgeschichte zu studieren. Für mich war klar, wo ein Wille, da ein Weg. Ich dachte damals, ich bleibe an der Uni. Als ich aber mein Volontariat bei der Schlösserverwaltung startete, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, ja, ich bin angekommen! Jetzt bin ich zwar wieder beruflich in der Schwebe, aber die digitale Kulturvermittlung bietet mir Chancen.

    Herzlichen Dank für deinen emotionalen Beitrag und herzlich willkommen in der Blogosphäre.

    LG,
    Tanja

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Kultur und Social Media | Arbabat

  4. Liebe Roxanne,

    danke für deinen persönlichen Beitrag, der mir zeigt, dass wir mit unseren eigenen Töchtern nicht ganz auf dem Holzweg sein können, wenn wir mit Ihnen schon jetzt so oft ins Museum gehen. Wobei, im Grunde sagt uns das schon unsere gerade Dreijährige, wenn sie sich mal wieder MUSEEEEUM wünscht. Und das bestärkt mich auch in einer Ansicht, zu der der der Bligbeitrag noch in den Entwürfen hängt, „Für einen Museumsbesuch ist man nie zu jung“

    Im übrigen bin ich fasziniert, wie sehr sich unsere Ansätze bei dieser Blogparade ähneln, wo wir 7ns doch fachlich mit komplett verschiedenen Kulturkreisen beschäftigen. Aber auch für mich ist das Wissen um die Vergangenheit die Basis für die Entwicklungen der Zukunft.

    Viele Grüße Carmen

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Carmen, dank Dir für Deinen Kommentar. Ich denke, Museen sind für Kinder eine gute Möglichkeit, sich mit der Bedeutung der Vergangenheit auseinanderzusetzen und daraus zu lernen und auch das, was einen umgibt, wertschätzen zu lernen….und irgendwie unterscheiden sich unsere Fachgebiete ja doch nicht so sehr voneinander 😉
      Viele Grüße
      Roxane

      Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Definition von Kultur - warum? #KultDef 2

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